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DAS MAGAZINFÜR WIRTSCHAFT,POLITIK &INVESTMENTPRODUKTEÖsterreichische Post AG MZ 03Z035262 M 4profit Verlag GmbH, Rotenturmstraße 12, 1010 Wien Ausgabe 10/2020 5,90 EuroGLOBALE AKTIENFONDSWeltweit aufSchnäppchenjagdSatte GewinneWie Fondsmanager die Branchenrotationan den Börsen nützen.InflationWarum man keine Angstvor stark steigendenPreisen haben n Sie mit speziellenFonds auf den weiterboomenden IT-Sektor!Green Bonds und ESGAnleihen erleben einendeutlichen Aufschwung.Aixtron überzeugt mitweit überlegenen HighTech-Anlagen.Finanzpolitik Volkswirtschaft Länder- und Branchenanalysen Banking Investmentfonds Aktien Immobilien Rohstoffe Blockchain Alternative Investments Versicherungen

editorialBranchentrendsDer Covid-Virus grassiert wieder in Europa – die zweite Welle ist da.Auf der Landkarte, in der die Regionen mit hohen Infektionsratenmarkiert sind, dominiert bereits wieder die Signalfarbe Rot. Gegen-seitige Reisewarnungen, Maskenpflicht und Lokalschließungen nehmen zu,kein Thema beherrscht unseren Alltag mehr als Corona und ändert immer stärker unsere Gewohnheiten. An den Finanzmärkten zucken die Kurse auf und ering.Laufendtickern Nachrichten über Massenentlassungen und Sparprogramme über denMario Franzin,Chefredakteur GELD-MagazinBildschirm – eigentlich zum Fürchten.Das ist die eine Seite der Coronakrise. Die andere jedoch ist, dass sich durchdie Veränderung der Lebensumstände die Nachfragesituationen verändern.Onlineservices, E-Commerce und Gesundheitsbranche sowie deren Zulieferererleben einen nie dagewesenen Boom. Viele werden zudem auf das ThemaNachhaltigkeit sensibilisiert, was zu steigenden Aufträgen im Bereich der Ökologie und der Neuen Energien führt. In diesen Branchen ist tatsächlich vielGeld zu verdienen und kluge Fondsmanager haben ihre Portfolios längst dahingehend ausgerichtet (siehe Coverstory „Globale Aktienfonds“ ab Seite 28).Diese säkularen Aufschwünge funktionieren deshalb, weil die Wirtschaft grosso modo mit unglaublich hohen Summen der Zentralbanken und Staaten amLaufen gehalten wird – Einkommensausfälle werden großteils ersetzt, Belastungen durch Steuern und Kreditraten aufgeschoben und staatliche Kreditgarantien abgegeben. Dadurch blähen sich zwar die Bilanzen der Zentralbankenauf, die Zinsen werden bei Null gehalten und die Staatsverschuldungen steigensprunghaft an, aber die stark negativen Effekte der Coronakrise auf die Wirtschaft werden kupiert und auf einen langen Zeitraum gestreckt – das Finanzsystem bleibt dadurch stabil. Sparguthaben werden zwar sukzessive durch Negativzinsen abgeschöpft, aber die Börsen halten sich in Summe auf relativ hohemNiveau. Wer also in dieser Sitution die Branchenrotation für sich nützt, kanndamit gutes Geld verdienen.impressumMEDIENEIGENTÜMER UND HERAUSGEBER 4profit Verlag GmbH · MEDIENEIGENTÜMER-, HERAUSGEBER- UND REDAKTIONSADRESSE Rotenturmstraße 12,1010 Wien T: 43/1/997 17 97-0 · E: [email protected] · GESCHÄFTSFÜHRUNG Snezana Jovic, Mario Franzin · CHEFREDAKTEUR Mario FranzinREDAKTION Mario Franzin, Mag. Isabella de Krassny, Mag. Harald Kolerus, Michael Kordovsky, Wolfgang Regner, Moritz Schuh MSc, Mag. Christian SecLEKTORAT Mag. Rudolf Preyer · GRAFISCHE LEITUNG Noura El-Kordy · COVERFOTO Matthew Benoit /stock.adobe.com · DATENANBIETER Lipper ThomsonReuters*, Morningstar · VERLAGSLEITUNG Snezana Jovic · EVENTMARKETING Ivana Jovic · PROJEKTLEITUNG Dr. Anatol Eschelmüller · IT-MANAGEMENTOliver Uhlir DRUCK Berger Druck, 3580 Horn, Wiener Str. 80 · VERTRIEB PGV Austria, 5412 Puch, Urstein Süd 13.www.geld-magazin.atABO-HOTLINE: 43/1/997 17 97-12 · [email protected]* Weder Lipper noch andere Mitglieder der Reuters-Gruppe oder ihre Datenanbieter haften für Fehler, die den Inhalt betreffen. Performance-Ranglisten verwenden die zur Zeit der Kalkulation verfügbaren Daten. Die Beistellung der Performance-Datenstellt kein Angebot zum Kauf von Anteilen der genannten Fonds dar, noch gilt sie als Kaufempfehlung für Investmentfonds. Für Investoren gilt es zu beachten, dass die vergangenen Performancewerte keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen.Oktober 2020 – GELD-MAGAZIN . 3

MÄRKTE & n.28Globale Aktienfonds.34Themen-Fonds.38Gemischte Fonds.Kurzmeldungen.Geldvermögen: Es wächst und wächst Energiewende: Gewinner und Verlierer.42Interview Ewald Nowotny.Warum der bekannte Ökonom keine Furchtvor „Zombie-Unternehmen“ kennt.Alternative Investments: Neue Rekorde Technologiesektor: Überbewertet?Weltweit mit Spitzen-Produkten gewinnen.Vor allem die Digitalisierung versprichtWachstum und Gewinne.Der richtige Mix aus Anleihen und Aktiensorgt für stabile Erträge.Experts Talk Leo Willert.Der Gründer von ARTS Asset Managementüber seine erfolgreiche Trading-Strategie.44Nachhaltige Anleihen.47Experts Talk M. McPartlin.48Aktienfonds Österreich.50Rohstoff-Radar.Green Bonds und Co. legen kräftig zu.Inflationsängste.Die Gefahr einer unkontrollierten Teuerunglässt viele Ökonomen und Anleger bangen.Japan.BRENNPUNKTJapan. Seite 14Nach dem Rücktritt von Premier Abe wirdsein Wirtschaftskurs fortgesetzt.Der Aegon-Experte glaubt an die gutenChancen nachhaltiger Investments.Der Mangel an Technologieunternehmenmacht eine Outperformance mit heimischenTiteln schwierig.WIRTSCHAFT20Industriekonjunktur: An Fahrt aufgenommen Tourismus: Einige offene Fragen.Automobil-Industrie.Die heimischen Zulieferer werden nicht nurdurch Corona auf eine harte Probe gestellt.Shinzo Abe sagt ade: Wiegeht es in Japan weiter?Erdöl: Kaum Optimismus Gold: WeiteresPotenzial Silber: Anlagetipps.Oberbank: Juristischer Rückschlag Porr:Wohnhausanlage für UBM.BANKING2224Kurzmeldungen.EZB: Mehr Initiative gefordert Pandemie:Österreicher legen Notgroschen zur Seite.Kredit-Stundung.Tipps für die richtige Immo-Finanzierung.4 . GELD-MAGAZIN – Oktober 2020USA: Weitere Korrektur? Europa: ZweiteWelle als Konjunktur-Killer.Sartorius: Gefragter Biotech-Spezialist Sonova: Hergehört!Credits: U.S. Army Sgt. Amber I. Smith; nvAns*

58VERSICHERUNG & VORSORGEAktien Deutschland.Spekulationen über weitere fehlerhafteBilanzen trüben die Stimmung.60Analyse Aixtron.62Aktien Österreich.75FLV-Listing.76Interview Günther Ritzinger.78Betriebliche Vorsorge.81Experts Talk Michael Miskarik.82Buchtipps.Negatives Sentiment am Wiener Parkett.64Kurzmeldungen.66Interview Mike McGlone.Bahnbrechend: Erste Krypto-Bank gestartet Bitpanda: Große Finanzierungsrunde.COVERSTORYGlobale Aktienfonds:Weltweit gewinnenab Seite 28Der Bloomberg-Stratege meint: „Bitcoin istdas Gold unseres digitalen Zeitalters“.IMMOBILIEN70Kurzmeldungen.Generali: Kampf dem Klimawandel Ergo:Auszeichnung für Service-Qualität.Profitieren von gewohnungen: Neuer Boom Maklerprovision: Wer muss bezahlen?Anlageimmobilien.Die richtige Auswahl entscheidet.Der monatliche Überblick zu fondsgebundenen Lebensversicherungen.Der Finanzmarktexperte und KapitalmarktConsult-Gründer erklärt, warum Finanzskandale trotzt strengerer Regulierung nieganz verschwinden werden.Das staatliche Pensionssystem kommt anden Rand seiner Belastungsfähigkeit;betriebliche Lösungen sind gefragt.Der Spezialist von HDI Leben über den verantwortungsvollen Umgang mit Kundenund Mitarbeitern.Leitl: China am Ziel Zuckermann: Meisterder Märkte Butter: Verschwörungstheorien. Nichts ist, wie es scheint.1020 Wien, Lessinggasse 22 1020 Wien, Miesbachgasse 1 1020 Wien, Schüttelstraße 85 1020 Wien, Vereinsgasse 26 1030 Wien, Schlachthausgasse 34 36 1050 Wien,Hartmanngasse 10 14 1050 Wien, Margaretenstraße 164 1060 Wien, Gumpendorferstraße 63E 1060 Wien, Mollardgasse 11 1100 Wien, Absberggasse 17 1100 Wien, ZurSpinnerin 50 1110 Wien, Kujanikgasse 3 1120 Wien, Korbergasse 3 1120 Wien, Siebertgasse 24 1120 Wien, Wurmbstraße 50 1140 Wien, Einwanggasse 41 1140 Wien, Hernstorferstraße 15 1140 Wien, Hütteldorferstraße 198 1140 Wien, Meiselstraße 62 1140 Wien, Tautenhayngasse 27 1150 Wien, Clementinengasse 28 1150 Wien, Eduard SueßGasse 16 1150 Wien, Henriettenplatz 1 3 1150 Wien, Reichsapfelgasse 4 1150 Wien, Schwendergasse 49 1160 Wien, Koppstraße 86 1160 Wien, Wilhelminenstraße 80-821170 Wien, Mariengasse 23 1180 Wien, Dempschergasse 10 1180 Wien, Kreuzgasse 41 1180 Wien, Schulgasse 26 1190 Wien, Barawitzkagasse 1 1200 Wien, Dammstraße 10 1200 Wien, Leystraße 79 1200 Wien, Waldmüllergasse 10 1230 Wien, Breitenfurterstraße 563 2334 Wr. Neudorf, IZ-NÖ-Süd Straße 14-19 2340 Mödling, Friedrich Schiller-Straße 73 2500 Baden, Habsburgerstraße 26 3300 Amstetten, Kochgasse 7-14 3300 Amstetten, Waidhofner Straße 42 42a BT4 3300 Amstetten, Waidhofner Straße 42 42a BT2 BT3 4400 Steyr, Ennskai 7 4400 Steyr, Grünmarkt 3 4400 Steyr, Haratzmüllerstraße 82 & 80 a 4407 Steyr Gleink, Ennser Straße 82 4470 Enns,Ferdinand Porschestraße 1 4865 Nussdorf am Attersee, Pichlmühle 2 6700 Bludenz, Hermann-Sander-Straße 2a 6800 Feldkirch, Reichsstraße 82 6845 Hohenems, GrafMaximilian-Straße 5 6850 Dornbirn, Altweg 1 6850 Dornbirn, Kirchgasse 5 6850 Dornbirn, Marktstraße 38 40 6850 Dornbirn, Müllerstraße 3a 6900 Bregenz, Bergstraße 56900 Bregenz, Brandgasse 15 6900 Bregenz, Georgenschildstraße 4 6900 Bregenz, Schillerstraße 4 6900 Bregenz, Vorklostergasse 60a 6900 Bregenz, Weihersteig 1-7 6900kaufmännisch sinnvolle undertragreiche InvestmentsZiel unseres Tuns:Erfahrung:*Erfolg:Überdurchschnittlichen Ertrag bei überschaubarem Risiko zu generierenÜber 100 Objekte in drei Ländern initiiertIn rund 48 Monaten bis zu zweistellige jährliche Renditen erwirtschaftetBregenz, Weiherstraße 2 4 6923 Lauterach, Bundesstraße 71 6971 Hard, Heimgartstraße 3 6971 Hard, Landstraße 114a 6972 Fußach, Ferdinand Weiss-Straße 178010 Graz, Ressel-gasse 9 8700 Leoben, Elisabethstraße 13 8700 Leoben, Knappengasse 3 9020 Klagenfurt, Salmstraße 1 9020 Klagenfurt, Villacherstraße 79 9081 Reifnitz,Seenstraße 27 9201 Krumpendorf, Wieningerallee 35 9500 Villach, Postgasse 4 73467 Kirchheim am Ries, Klosterhof 16 16/1 78224 Singen, Pfaffenhäule 30 78579 Neuhausen ob Eck, Carl-Benz-Straße 2 78256 Steißlingen, Singenerstraße 42 a-c 79807 Lottstetten, Industriestraße 30 88131 Lindau, Auf der Mauer 5/7/9 88131 Lindau, Inder Grub 4 88131 Lindau, Marktplatz 5 88131 Lindau, Priel 1 Prag 3, U rajske zahrady 2 Prag 5, Malatova 7 1000 Laibach, Am Tabor 2000 Maribor, Slovenska cesta 17 **Investieren Sie mit uns! Arbeiten Sie mit uns!www.trivium.atAnsprechpartner: Gerhard Mittelbach, MBA, Geschäftsführer Vertrieb, Marketing & PR, [email protected]*Aufgrund von Wertentwicklungen in der Vergangenheit, lassen sich keine Rückschlüsse auf zukünftige Wertentwicklungen schließen.**Projektstandorte

BRENNPUNKT . KurzmeldungenGeldvermögen: Es wächst und wächstENERGIEWENDEGewinner und VerliererÖsterreich noch immer reich. Das globale Geldvermögen verzeichnete trotzCOVID-19-bedingter Rezession der Weltwirtschaft im ersten Halbjahr einenleichten Anstieg um 1,5 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen Allianz GlobalWealth Report hervor. Zu verdanken ist das Wachstum den geld- und fiskalpolitischen Hilfspaketen der Zentralbanken und Finanzbehörden auf der ganzenWelt, die das Vermögen der Haushalte vorerst vor dramatischeren Folgen derKrise bewahrten. Haupttreiber der Entwicklung sind die Bankeinlagen, die umkräftige sieben Prozent zunahmen. In Österreich, das nach wie vor auf Rang 16der reichsten Länder der Welt steht, wuchs das Geldvermögen der Haushalte inden ersten sechs Monaten des heurigen Jahres um 0,5 Prozent und liegt somithinter dem internationalen Schnitt zurück. 2019 stieg das Brutto-Geldvermögen hierzulande noch um 6,2 Prozent, getrieben von Versicherungen und Pensionen, die um 7,9 Prozent zulegten, sowie Wertpapieren (plus 7,4 Prozent).Moderne Zeiten. Der Verkehr ist nach der Industrie der zweitgrößte Verursacher der Luftverschmutzung. Keine neue Erkenntnis, der drama-01234567890DIE ZAHL DES MONATStische Rückgang der Luftverpestung währenddes Corona-Lock Downs hat aber deutlich vor36 %Augen geführt, welchen Schaden der Verkehr derUmwelt zufügt. Das steigende ökologische Bewusstsein im Zuge der Pandemie wird wohl denCash: Nicht mehr King. Die Corona-Der Anteil der Konsumenten, die ihrTrend „weg von fossilen Brennstoffen“ beschleu-Pandemie beschleunigt nach einer ak-Smartphone zum Bezahlen nutzen,nigen. 2020 wird laut Axa IM auch ein Rückgangtuellen Studie der Unternehmensbe-hat sich von 11 auf 14 Prozent erhöhtder Fahrzeugverkäufe mit Verbrennungsmotorenratung PwC Strategy& die Abkehr der(Österreich: 12 %). Debitkarten stie-um 23 Prozent im Vergleich zu 2019 erwartet.europäischen Konsumenten vom Bar-gen in der europaweiten BeliebtheitBei E-Autos wird ein Rückgang von 18 Prozentgeld. Nur noch 36 Prozent der Ver-von 27 auf 31 Prozent (Österreich:auf etwa 1,7 Millionen Stück prognostiziert.braucher zahlen in zwölf europä-von 22 auf 27 %). Kreditkarten hinge-E-Fahrzeugen soll aber bereits in den nächstenischen Ländern bevorzugt in Cash.gen konnten nicht von diesem Trendvier Jahren eine Absatzerholung und der Verkauf2018 waren es noch 43 Prozent. Amprofitieren und blieben im europawei-von 6,9 Millionen Einheiten gelingen.liebsten wird nun mit Debitkartenten Durchschnitt mit 19 Prozentund mobilen Bezahl-Apps eingekauft.gleich (Österreich: 8 auf 6 %).Wasserstoff-Technologie: Großes PotenzialBeliebtheit steigt. In Europa genießt Deutschland das Image der „Autofahrernation“ Nummer eins. In diesem Zusammenhang lässt folgende Erhebung von kryptoszene.de aufhorchen: Rund 30 Prozent der Deutschen würden sich zu bezahlbarenPreisen ein Wasserstoff-Fahrzeug kaufen. Bei den Männern beträgt der Anteil sogar38 Prozent. Aber nicht nur die Beliebtheit, sondern auch die Nachfrage steigt an,jedenfalls in den Weiten des Internets. Immer mehr Menschen suchen via Googlenach „Wasserstoff“ und „Wasserstoff-Aktien“. Im Juni dieses Jahres erreichte die relative Nachfrage den bisherigen Spitzenwert. Der Google-Trend-Score notierte bei100, nie suchten mehr Menschen nach den genannten Suchbegriffen. Und wiestoff-Aktie ITM Power erhöhte sich binnen eines Jahres um 467 Prozent. Auch Nel,PowerCell sowie Ballard konnten Zugewinne in Höhe von über 150 Prozent verbuchen. Der Straßenverkehr ist übrigens für bis zu 30 Prozent der CO2-Emissionenverantwortlich. Wasserstoff könnte als umweltfreundliche Alternative punkten.6 . GELD-MAGAZIN – Oktober 2020Credits: Daimler; pixabaysieht es mit der Beliebtheit an den Finanzmärkten aus? Der Börsenwert der Wasser-

BRENNPUNKT . KurzmeldungenSwisscanto: Wasser marsch!Saubere Geschäfte. Aufgrund des dritten viel zu trockenenSommers in Folge rückt das Thema Wasser fast zwangsläufigin den Anleger-Fokus, meinen die Investmentspezialisten vonMATCHMATCH DES MONATSTRUMPVS BIDENSwisscanto. Die Senkung des Wasserverbrauchs, AufbereitungUntergriffig. Mit Spannung wurde das erste direkte TV-Duell zwi-von verschmutztem Wasser oder eine optimale Verteilung sindschen Präsident Trump und Herausforderer Biden erwartet. Wie nichtnur drei Beispiele des facettenreichen Sektors. Auch innerhalbweiter verwunderlich, fiel das Match chaotisch, untergriffig und teil-der Bekämpfung der Erderwärmung kommt dieser Thematikweise beleidigend aus. Als Sieger der Debatte ist laut Umfragen Bidenein bedeutender Stellenwert zu. Denn in Ländern, die beson-hervorgegangen, aber welchen Einfluss hat das eigentlich auf dieders von zunehmender Trockenheit in Folge der Klimaerwär-Wahl selbst? Im Allgemeinen hat die Forschung gezeigt, dass die De-mung betroffen sind, wird es immer wichtiger werden, diebatten offenbar keinen signifikanten Einfluss auf die Loyalitätsverän-dortige Wasserinfrastruktur zu verbessern beziehungsweisederung der Wähler haben. Vereinfacht gesagt: Wer etwa Trumpanpassen zu können. Und diese Probleme sind nicht weit weg,wählt, lässt sich auch im letzten Moment nicht davon abhalten. „An-sondern betreffen heute schon die Mittelmeer-Region. Wasdererseits hat in den vergangenen fast drei Jahrzehnten – mit Aus-weiter für diversifizierte Wasser-Investments spricht: Quali-nahme von 2016 – immer der Kandidat, der die Debatten angeführttäts-Unternehmen aus der Branche können ihre Kapitalkostenhat, die Wahl gewonnen“, so ein Kommentar von DailyFX (IG Group).decken und bieten laut Swisscanto mit Blick auf die ZukunftSollte Biden das Rennen machen, wird wohl wieder mehr Ruhe, auchgute Ertragsaussichten.für Investoren, einkehren. Seine Herangehensweise an die internationale und innere Politik entspricht eher dem Status quo vor 2016.Brexit: Johnsons TreuebruchBestürzt. Boris Johnson ist oft für eine (unangenehme) Überraschung gut. Sein Plan, Teile des im Januar von Großbritannien und der EU unterzeichneten Rückzugsabkommens faktisch auszusetzen, ruft aber in „Rest-Europa“ besondere Be-WISSENMACHTERFOLGGesamtprogramm unter ars.atstürzung aus. Der irische Premier Martin bekräftigte, dass dieAgitation Johnsons „einen Versuch der britischen Regierungsignalisiert, ihre in einem internationalen Abkommen einge-JETZT DURCHSTARTENMIT DER ARS AKADEMIEgangene Verpflichtung im Wesentlichen zu brechen, und dasist sehr schwerwiegend“. Die EU-Rechtsabteilung kam wiederum zu dem Schluss, dass „die britische Regierung mit derVorlage des Gesetzentwurfs und der Verfolgung der darin zum2165325.11.20, WienKrypto-Assets & Blockchain-TechnologieRA/StB MMag. Dr. Schmidt, TEPAusdruck gebrachten Politik gegen die Treuepflicht aus demRückzugsabkommen verstößt“. Da ist es keine Überraschung,dass die jüngste Verhandlungsrunde zwischen der EU undGroßbritannien mit dem üblichen gegenseitigen Vorwurf dermangelnden Kompromissbereitschaft endete. Die Wahrschein-1001323.02.–10.03.21,WienAkademie BetrieblicherDatenschutzbeauftragterProf. (FH) Univ.-Doz. DI Dr. Schaumüller-Bichl u. a.lichkeit, bis zum Jahresende zu einem Handelsabkommen zugelangen, ist weiter im Sinkflug.Jetzt anmelden:ARS Akademie, 1010 [email protected] 43 (1) 713 80 24-0

INTERVIEW . Ewald Nowotny, ÖGFE„Die EU hat richtig reagiert“Warum hohe Defizite in Zeiten der Pandemie gerechtfertigt sind, undwarum die Diskussion über Zombie-Unternehmen fehlgeleitet ist, erklärtder renommierte Ökonom Ewald Nowotny.H A R A L D KO L E RU SEdung des EU-Budgets für die nächsten sie-r hat sich als Wirtschaftswissenschafter, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Krisen-manager bei der BAWAG einen guten Namen gemacht: Ewald Nowotny. Im Gespräch mit dem GELD-Magazin verrät er:„Die Zeit bei der BAWAG war wohl die an-China wird am Endedes Tages am bestenaus der Corona-Kriseherauskommen.ben Jahre mit einem Volumen von 1100Milliarden Euro. Tatsächlich ist die Unionheute politisch und wirtschaftlich stärkeraufgestellt als noch vor ein paar Jahren.Historisch sehen wir eine deutlich positiveEntwicklung: Die EU wurde ja als Gemeinschaft für Kohle und Stahl von sechs Staa-strengendste Zeit meines Lebens, aber auchein schönes Erlebnis. Nämlich mit meinemten gegründet, seither wurde sie massivTeam an der Rettung einer großen Bank mitausgeweitet. Damit folgt man nicht zuletztdem Plan der Gründerväter, zunächst wirt-vielen tausenden Sparern zu arbeiten, wastung der politischen Entscheidungsträgerja erfreulicherweise gelungen ist.“ Heute istfindet hingegen nicht statt, aber natürlichschaftliche Schritte zu setzen, um sich dannNowotny Präsident der Österreichischenkönnen auch Politiker unser Info-Angebotauch politisch näherzukommen. Dass jetztGesellschaft für Europapolitik, die es sichnutzen. Gegründet wurde die Gesellschaftzum ersten Mal auch eine gemeinsamezum Ziel gesetzt hat, den europäischen Ge-anlässlich der heimischen Abstimmung zumSchuldenaufnahme beschlossen wurde, istdanken weiterzutragen. Und natürlich beo-EU-Beitritt von den Sozialpartnern und derso ein Schritt in die richtige Richtung.bachtet er die wirtschaftspolitische Ent-OeNB. Nach der Euphorie der AbstimmungBleiben wir bei Covid-19: Die wirtschaft-wicklung in- und und außerhalb Österrei-und des Beitritts wollen wir den Europa-Ge-chs weiterhin haargenau. Der bisherigendankenBekämpfung der Corona-Wirtschaftskrisenicht immer ganz einfach ist.sehen Sie die Konsequenzen?aus. Den Brexit bedauert Nowotny natür-Die EU scheint ja tatsächlich zu bröckeln:wird China am Ende des Tages am bestenweiterführen,wasbekanntlichlichen Folgen sind schwer absehbar, wieUnter einem globalen Blickwinkel gesehen,stellt er ein gutes Zeugnis innerhalb der EUlich, alles in allem stehe die EU aber stärkerBrexit und Uneinigkeit, nicht nur in deraus der Krise herauskommen. Die USA wer-da, als in der Vergangenheit.Flüchtlingsfrage, dominieren das Bild.den, fast unabhängig vom Wahlausgang,Für die Union ist der Brexit natürlich eineine stärker nach innen ausgerichtete Poli-Die Österreichische Gesellschaft für Eu-deutlicher Verlust, immerhin verlieren wirtik verfolgen. Diese Umstände und Coronamachen es für Europa noch wichtiger, ge-ropapolitik (ÖGfE) ist wahrscheinlichhier die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU.nicht jedem unserer Leser ein fixer Be-Andererseits haben die Probleme des Brexitmeinsam aufzutreten. Was jetzt auch imgriff. Können Sie deren Aufgaben undgezeigt, wie schwierig und kostspielig einwirtschaftlichen Bereich zu erwarten ist. InVorgehensweisen kurz vorstellen?Ausscheiden ist. Ich meine deshalb, dass derKurz zusammengefasst informiert die ÖGfEZusammenhalt der übrigen EU durch dender EU herrscht bekanntlich zwischen demNorden und Süden ein großer ökonomi-über europäische Integration und steht fürAustritt Großbritanniens gefördert wurde.scher Unterschied, hier ist es wichtig, eineeinen offenen Dialog über aktuelle europa-Allerdings selbstverständlich zu einem sehrgemeinsame Dynamik zu erreichen, wobeipolitische Fragen und deren Relevanz fürhohen Preis.die bereits erwähnte gemeinsame Schuldenaufnahme ins Spiel kommt. Alles in allemÖsterreich. Sie erstellt und veröffentlichtPolicy Briefs, also Analysen zu europä-Wie verändert nun das allesbeherr-traue ich mir zu sagen, dass wir ab 2021/ischen Themen und leistet ebenso Informa-schende Thema Corona die EU politisch?2022 wieder eine Phase des Wirtschafts-tionsarbeit an Schulen. Eine Wanderaus-Die Pandemie hat gezeigt, wie bedeutendder europäische Binnenmarkt und die Sicher-wachstums sehen werden.türlich liegt uns auch die akademische Weltheit der Vorleistungen und Absatzwege ist.Wie sind Sie mit den bisherigen Krisen-am Herzen. Eine institutionalisierte Bera-Wichtig war im Sommer die Verabschie-Maßnahmen zufrieden?stellung wurde ins Leben gerufen und na-8 . GELD-MAGAZIN – Oktober 2020

ZUR PERSONProf. Ewald Nowotny wurde 1944 inWien geboren, der Volkswirt lehrteunter anderem an der WU Wien undwar politisch für die SPÖ aktiv (1978bis 1999 Abgeordneter zum Nationalrat). Vom 1. September 2008 bis zum31. August 2019 stand er als Gouverneur an der Spitze der Oesterreichischen Nationalbank. Von 2006 bisEnde 2007 war Nowotny Generaldirektor der BAWAG P.S.K.„Das Bankensystem steht nach der Finanzkrise heute deutlich solider da“, so Prof. Dr. Ewald NowotnyDie EU hat richtig reagiert: Die Union undWenn aber jetzt – und bereits seit Jahren –ken der Verschuldungs-Quote. In Österrei-die einzelnen Staaten, auch Österreich, wa-unendlich viel Kapital „ins System“ ge-ch, Deutschland und anderen Ländern ha-ren bereit, massive finanzielle Anstrengun-pumpt wird, müsste doch die Inflationben wir dieses Bild nach der Finanzkrise be-gen zu leisten. So ist auch der mit 750 Milli-obachten können. Ich bin jetzt nicht geradearden Euro ausgestattete „Europäische Kon-deutlich ansteigen. Oder doch nicht?Das ist eine zu vereinfachte Darstellungs-junkturfonds“ (Next Generation Europeanweise. Die Ausweitung der Geldmenge allei-in der gegenwärtigen Situation sehe ich sieein „Fan“ von hohen staatlichen Defiziten,Recovery Fund, Anm.) positiv zu sehen. Esne schafft noch keine Inflation. Nur wenngeht meiner Meinung nach alles in die rich-es zu massiv höherer Nachfrage kommt, dietige Richtung.das Angebot übersteigt, sehen wir Inflation.Diese Perspektive haben wir aber derzeitSie haben die Krise von 2008 angespro-Aber würden zu großzügige Unterstüt-nicht, sondern eine niedrige Nachfrage.chen: Wurde seither genug getan, umzungen einige nicht lebensfähige Unter-Und daran wird sich wohl auch in den näch-das Finanzsystem robuster zu gestalten?nehmen künstlich über Wasser halten?sten zwei bis fünf Jahren nichts Entschei-Das Bankensystem steht durch die seitherIch halte diese grassierende Diskussiondendes ändern. Aber natürlich müssen diegesetzten Maßnahmen deutlich stabiler da.über sogenannte „Zombie-Firmen“ für fehl-Notenbanken auf die Inflation achten, wasIn Österreich ist das Eigenkapital der Ban-geleitet und nicht relevant. Es ist jetzt wich-sie auch tun.ken heute doppelt so hoch als vor der Krise;tig, das „Medikament“ wirken zu lassen undaber nicht kritisch. Ich möchte sie als das„kleinere Übel“ bezeichnen.auch die CEE-Aktivitäten der heimischennicht zu früh abzusetzen, um diesen Ver-Auch wenn die Inflationsängste vielleichtBanken wurden auf eine solidere Basis ge-gleich aus der Medizin zu bemühen. Dennübertrieben sind: Machen nicht die ho-stellt. Außerdem wurde mit dem Verbot vones ist nun entscheidend, alle Hebel in Bewe-hen Defizite im Zuge der Krisenbekämp-neuen Fremdwährungskrediten eine mas-gung zu setzen, um wirtschaftliche Einbrü-fung Sorgen?sive Gefahr beendet. Die Reformen habenche zu verhindern. Zu nennen ist auch dasIn Zeiten dieser schweren Pandemie ist esalso gewirkt, vor allem Österreich steht gutPandemic Emergency Purchase Programme,der richtige Weg, mit Defiziten entgegenzu-da. International betrachtet haben einigealso das Wertpapierankaufprogramm deswirken. Wenn sich die wirtschaftliche LageStaaten noch Nachholbedarf.Eurosystems, um den Auswirkungen derwieder verbessert, kommt es automatischCovid-19-Pandemie entgegenzuwirken.aus dieser Dynamik heraus zu einem Absin-www. oegfe.atOktober 2020 – GELD-MAGAZIN . 9

BRENNPUNKT . InflationGeist aus der FlascheDie zweite Welle der Corona-Pandemie hat gerade erst begonnen und schon machensich weitere dunkle Wolken am Horizont breit. Die Angst vor unkontrollierbarerInflation treibt Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. Doch wie real ist die Gefahr?MORITZ SCHUHK„Wir sollten prüfen,ob die aktuelleFormulierung desInflationsziels dieMöglichkeit einesÜberschießens inFrage stellt.“Francois Villeroy Galhau,Gouverneur derBanque de Franceaum eine Frage spaltet die Wirt-Kurskorrekturschafts- undFinanzwelt derzeitInsbesondere die Zentralbanken als Hüterstärker, als jene nach der Entwick-des Preisniveaus sind dieses Jahr aufgrundlung der Inflation. Die einen sind überzeugt,der zügellos anmutenden Ausweitung desdass die enormen geld- und fiskalpolitischenGeldangebots besonders stark in die KritikStimuli im Kampf gegen die Coronakrisegeraten. Erst vergangenes Monat verkündeteVolkswirtschaften weltweit auf den Kurs un-die amerikanische Federal Reserve (Fed)zähmbarer Inflationsgefahr (Hyperinflati-medienwirksam, dass die Zinssätze solangeon) brachten, die anderen sind der Ansicht,nahe null gehalten werden sollen, bis Voll-dass die Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung die deflationären Tendenzen derbeschäftigung und eine moderate Inflations-vergangenen Jahre nur verstärkten. Die De-werden. Die Nachricht war eine Verfeine-batte über Preisniveaus ist eine, die nichtrung des im August vorgestellten langfri-nur Konsumenten, Arbeitgeber und Sozial-stigen geldpolitischen Rahmens, der daraufpartner betrifft, sondern auch Pensionssy-abzielt, Anleger davon zu überzeugen, dasssteme bedroht, nationale Politiken beeinflusst und internationale Handelsrivalitätendie Zentralbank selbst bei Überschießen desbefeuert. Bis zur endgültigen Beantwortung,nicht notwendigerweise erhöhen wird. Ihrenob und wie die massiven Geldspritzen dieeigenen Prognosen zufolge dürfte dies frü-Teuerung beeinflussen, kann es jedoch Jah-hestens im Jahr 2023 der Fall sein, was denre dauern. In der Zwischenzeit bleibt nur,Spielraum bei gegenwärtigen Zinsen nahedie Lage zu beobachten und Argumente ab-null für die nächsten zwei Jahren stark ein-zuwägen.schränkt. Eine überzeugende Einbeziehungrate über dem Zwei-Prozent-Ziel erreichtlangfristigen Inflationsziels die Zinssätzeder Erwartung der Anleger würde in der Tatzusätzliche monetäre Impulse verschaffen.Die Geldmenge steigt in den USA und in Europa stark an .Unter Zugzwangin BillionenEU GELDMENGE M2Dieses Signal setzt jedoch auch andere Wäh-US GELDMENGE M2rungshüter unter Druck, da ein günstigerer18Quelle: tradingeconomics.comeinflusst. Francois Villeroy Galhau, Gouver-16neur der Banque de France, appellierte da-15her kürzlich dafür, auch im Euroraum das14Inflationsziel anzupassen. Die derzeitige De-13finition von unter, aber nahe zwei Prozent12werde oft fälschlicherweise als Obergrenze11interpretiert, die automatisch eine straffere1020162017201820192020Notenbanken weltweit schafften dieses Jahr so viel frisches Geld wie nie zuvor. Ob und welcheAuswirkungen dies auf das allgemeine Preisniveau haben wird, ist derzeit noch umstritten.10 . GELD-MAGAZIN – Oktober 2020Politik auslösen würde. Kommentare wiediese sind nur die jüngste Salve in der aktuellen strategischen Neuausrichtung der EZB– der ersten seit 2003. Diese ist nötig, da einCredits: Wikipedia/DAVID ILIFF; commons.wikimedia/governo.it; ECBDollar die Inflation in anderen Ländern be-17

stärkerer Euro relativ zum Dollar die Inflati-der Inflation bildet, spielen kurzfristig zahl-on drückt, indem er die Importkosten senktreiche andere Kräfte eine Rolle. Selbst inund die Exporteure weniger wettbewerbsfä-Zeiten eines raschen Anstiegs der Geldmen-hig macht.ge relativ zur Rea

24 Kredit-Stundung. Tipps für die richtige Immo-Finanzierung. MÄRKTE & FONDS 26 Kurzmeldungen. Alternative Investments: Neue Rekorde Technologiesektor: Überbewertet? 28 Globale Aktienfonds. Weltweit mit Spitzen-Produkten gewinnen. 34 Themen-Fonds. Vor allem die Digitalisie