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Wie Schulen von Schulen lernen5 Jahre ReformzeitSchulentwicklung in PartnerschaftErgebnisse, Erfahrungen, Praxisbeispiele

„Jeder Kollege und jede Kollegin unserer Schule hat für sich dieAufgabe erkannt, Kinder so individuell zu begleiten wie möglich.Das bedeutet eine veränderte Lehrerrolle – der Lehrer als Begleiter und Partner – und eine Veränderung der Unterrichtskultur.“Zielvereinbarung eines Reformzeit-Bündnisses„Ich habe das Gefühl, dass wirklich der einzelne Schüler im Mittelpunkt steht. Also, dass es nicht mehr darum geht, was kann ichfachlich verändern, sondern dass es darum geht, wie kommt esbeim Schüler an und bei welchem Schüler. Das hat sich auf jedenFall verändert. Vorher war es eher ein fachlicher Austausch: Wiemacht ihr das, thematisch gesehen. Und jetzt geht es eher darum,wie erreicht ihr den einzelnen Schüler. Und das, glaube ich, ist einQualitätssprung.“Schulberaterin eines Reformzeit-Bündnisses„Reformzeit hat eine schulpolitische Dimension an diese ganzeSchule gebracht zur Binnendifferenzierung.“Lehrer einer Reformzeit-Schule„Ich glaube, das ist besser, wenn man sich das untereinanderauch mal erklären kann. Ich fand die Methode, das so rüberzubringen, total gut. Ich hab’s dann persönlich auch verstanden,was meine „Familie“ mir da erklärt hat.“Schülerin einer Reformzeit-Schule2

ÜbersichtReformzeit – Eine erfolgreiche LerngemeinschaftVorwort von Dr. Anja Durdel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, und Günter Gerstberger, Robert Bosch Stiftung3Reformzeit – Wie Schulen von Schulen lernenDr. Anja Grosch und Jantje Heumann, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung4Das Bündnis Integrierte Gesamtschule Franzsches Feld (IGS Franzsches Feld)Unterschiedliche Reformansätze und gemeinsame UnterrichtsentwicklungJörg Roman Pusch, Schulberater7Ein Austausch auf AugenhöheIm Gespräch mit Andreas Meisner, Schulleiter der Beraterschule IGS Franzsches Feld, Braunschweig8Bereit, sich zu bewegenReportage von Beate Köhne über die Spreewald-Schule, Lübben9Schulinterne aufeinander aufbauende Fortbildungen zum individualisierten LernenGood Practice der Kopernikus-Oberschule, Berlin10Rhythmisierung des Wochenplanes in der GanztagsschuleGood Practice der Pierre de Coubertin-Oberschule, Potsdam12Das Helle BündnisEiner für alle, alle für einenAndreas Leipelt, Schulberater13Neue Impulse auf vielen EbenenReportage von Beate Köhne über die Werner-Stephan-Schule, Berlin14Einführung von Trimesterkursen in der Jahrgangstufe 7Good Practice der Werner-Stephan-Schule, Berlin17Leseportfolio zu selbst gewählten BüchernGood Practice der Oberschule „Carl Friedrich Grabow“, Prenzlau18Einrichten von Lernbüros in der 7. JahrgangsstufeGood Practice der Greenwich-Oberschule, Berlin19Selbstorganisiertes Lernen (SOL) – Unterrichtseinheit zur Vorbereitung der Mathe-Klassenarbeitin der Jahrgangsstufe 7Good Practice der Johannes-Falk-Schule, Berlin20Das Bündnis FriesackImmer einen Konsens findenAndreas Schwarz, Schulberater21Weniger ist mehrReportage von Beate Köhne über die Evangelische Schule, NeuruppinArbeit mit einem Qualitätsteam als Steuerungselement zur Strukturierung von Jahrgangsteamsund KommunikationswegenGood Practice der Kooperationsschule, Friesack2224Projekttag zur Vorbereitung einer Klassenfahrt durch Schüler der 7. JahrgangsstufeGood Practice der Krause-Tschetschog-Oberschule, Bad Belzig25Individualisiertes Lernen im Projekt „Produktives Lernen“Good Practice der Fontane-Oberschule, Neuruppin26Das 4 Future BündnisKonkrete Arbeit in fachbezogenen GruppenDr. Maike Reese und Dr. Christine Bruhn, Schulberaterinnen27

Vier gewinntReportage von Beate Köhne über das 4 Future Bündnis28Erstellen und Einsetzen von Kompetenzrastern im Fach Deutsch in der Sekundarstufe IIGood Practice der Schulen des 4 Future Bündnisses31Auf dem Weg zum kompetenten Zeitungsleser und -macher. Ein Projekt für die Klassenstufen 9 bis 10Good Practice der Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“, Potsdam32Das Schlaubetal-BündnisNachhaltig Veränderungen etablierenKerstin Lehnert, Schulberaterin33Die Fantasie spielen lassenReportage von Beate Köhne über die Clara Zetkin Schule, Strausberg34Planung und Durchführung von FachwochenGood Practice der Oberschule Schlaubetal, Müllrose36Planung und Anfertigung von Facharbeiten Klasse 9Good Practice der Oberschule „Am Wehlenteich“, Lauchhammer37Individuelle Förder- und Entwicklungspläne (IFEP)Good Practice der „H. und S. Schumacher“ Europaschule, Angermünde38Das Berliner BündnisWir gehen unsere eigenen Wege und wir gehen sie gemeinsamDr. Jochen Spielmann, SchulberaterWer A sagt, muss auch Ü sagenReportage von Beate Köhne über die Fritz-Karsen-Schule, Berlin3940Individualisierendes Lernen – gemeinsame Entwicklung von schul(typ)übergreifenden,differenzierten Unterrichtsmaterialien für das Fach MathematikGood Practice der Schulen des Berliner Bündnisses43Das Labor-BündnisHeterogenität als RessourceBettina Schäfer, Schulberaterin45Reformzeit ist auch eine Ost-West-BegegnungIm Gespräch mit Dr. Christine Biermann, Didaktische Leiterin der Laborschule Bielefeld46Offener Blick für VeränderungenReportage von Beate Köhne über die Regine-Hildebrandt-Schule, Birkenwerder47Ein neuer Tages- und Wochenrhythmus zur individuellen FörderungGood Practice der Dreiklang Oberschule, Schwedt/Oder49Entwicklung einer Jahrespartitur in den Klassenstufen 7 und 8Good Practice des Leibniz-Gymnasiums, Potsdam50Sehstörungen beim Blick über den Zaun? Oder: Warum Reformzeit ein Erfolg wurdeDr. Otto Seydel52Erfolgsfaktoren für schulisches Lernen – Zusammenfassung der Reformzeit-Schulen54Reformzeit-Partner und -Schulen56Impressum

VorwortReformzeit – Eine erfolgreiche LerngemeinschaftDr. Anja Durdel, Deutsche Kinder- und JugendstiftungGünter Gerstberger, Robert Bosch StiftungAls die Robert Bosch Stiftung und die Deutsche Kinder- undJugendstiftung sich im Jahr 2004 über ein gemeinsames Schulentwicklungsprogramm verständigten, das an die „Ost-West-Schulpartnerschaften“ (1992 – 2004) anschließen sollte, war klar: Essollte weiterhin um Schulpartnerschaften gehen und – angesichtsder Suchbewegungen nach PISA und TIMMS – um die Weiterentwicklung der Lernkultur. Erfahrungen aus Schweden machten Mut,es mit „Schulentwicklung in Partnerschaft“ zu versuchen: „Häufig sind die Beobachtungen, gerade von solchen, von denen manweiß, dass sie grundsätzlich in der gleichen Lage sind, besondersunmittelbar ‚zur Sache’ und werden auch bereitwilliger ernsthaftdiskutiert, als wenn sie z. B. von irgendwelchen Wissenschaftlern gemacht würden.“ (Ekholm, Velber 2001). So begannen dieStiftungen, Lernpatenschaften zwischen Schulen aufzubauen. Dievorliegende Abschlussdokumentation zeigt sowohl die entwickelte Arbeitsstruktur als auch beispielhaft relevante Ergebnisse.Reformzeit ist eine Erfolgsgeschichte geworden. SchulleiterKlaus Brunswicker von der Sophie-Scholl-Schule, Berlin beschreibtseinen Gewinn so: „Es ist gut, dass es das Projekt „Reformzeit“gibt, weil es die kollegiale Kooperation zwischen Schulen unterschiedlicher Prägung bei der Reform der Unterrichtsgestaltungermöglicht.“Nicht nur die Schulen bildeten intensive Lerngemeinschaften:Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Dr. Otto Seydel,Prof. Marianne Horstkemper oder Prof. Dagmar Killus, CorinnaGottmann und Dr. Annemarie von der Groeben, aber auch dasBundesministerium für Bildung und Forschung, Vertreter des Berliner Senats und des Ministeriums für Bildung, Jugend und SportBrandenburg haben die Arbeit der Schulen und die der Stiftungenfragend-rückmeldend-anregend begleitet. Dass es zunehmendgelang, für die bildungsreformerischen Aufgaben der LänderBrandenburg und Berlin mit Verantwortlichen zur Gestaltung vonLehrerfortbildungen im Gespräch zu sein, ist ein Ergebnis, dasüber Reformzeit hinaus in die Zukunft weist.In Reformzeit steckt Zeit. Zeit war im Programm immer einzentrales Thema: Schon beim ersten Netzwerktreffen der Schulen wurde das wechselseitige Zeitgeschenk – das miteinander„Anhalten“ – an einem Samstag gewürdigt. Denn Bündnisarbeitist zwar zeitintensiv, bedeutet aber gleichzeitig Entlastung. Mitunter beschwerliche Reisen von und nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg wurden in Kauf genommen, geringe oder gar keine Abminderungsstunden toleriert, weiljede investierte Zeit Früchte trug. Ob in Form von abgeschautenTischgruppen, veränderter Lernrhythmen, gezielterer Elternarbeitoder neuer Rückmeldesysteme über den Unterricht: Ein Lehrerkonstatierte, dass er nach fünfundzwanzigjähriger Lehrtätigkeitdurch Reformzeit den besten Unterricht seines Lebens macht.Alle Beteiligten haben in dieser Gemeinschaft vieles gelernt,was bleibt. Sowohl die Robert Bosch Stiftung als auch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung haben das Prinzip „Schulen lernen von Schulen“ zum festen Bestandteil ihrer Schulentwicklungsprogramme gemacht, etwa in der Akademie des DeutschenSchulpreises oder im Ganztagsschulprogramm. Zweierlei wünschen sich die Initiatoren von Reformzeit zum Abschluss: Dassjede Schülerin, jeder Schüler einer Reformzeit-Schule den bestmöglichen Bildungsabschluss erreicht. Und: dass dies bald auchan allen Schulen Deutschlands gelingt, weil ihnen durch Verwaltungen Zeit für Fachaustausch und gemeinsames Lernen eingeräumt wird, und weil die Lehrkräfte sich diese Zeit nehmen.3

EinführungReformzeit – Wie Schulen von Schulen lernenDr. Anja Grosch und Jantje Heumann (DKJS)Was ?Verbesserung der Individualisierung des Lernens in SchulenFür wen ?Schülerschaft und Lehrkräfte an weiterführenden SchulenWann ?2006 bis 2011Wo ?Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-WestfalenWie ?Lehrkräfte und Schulleiter arbeiten in insgesamt 7 Bündnissenmit jeweils 4 bis 5 SchulenWomit ?Peer-to-Peer-Ansatz, Prozessbegleitung, Netzwerktreffen, Fortbildungen, finanzielle UnterstützungInitiatoren ?Robert Bosch Stiftung und Deutsche Kinder- und JugendstiftungVerantwortung teilenEin ungewöhnliches Bild bietet sich am 23. April 2010 in den Räumen der Neuen Mälzerei in Berlin: In 6 Gruppen versuchen 58Schulleitungen und Schulleitungsvertretungen aus 4 Bundesländern gemeinsam einen Zollstock auf den Boden zu legen. Keinleichtes Unterfangen, wenn der Stab nur auf dem Zeigefingerbalanciert werden darf: Entgegen aller Bemühungen scheint sichder Zollstock nach oben zu bewegen statt nach unten. Doch letztlich schaffen es alle Gruppen.Eine schöne Übung zur Auflockerung – und ein treffendes Bildfür Reformzeit: Die anwesenden Pädagogen tragen die Verantwortung für umfassende Veränderungsprozesse an ihren Schulen, wobei die Verbesserung der individuellen Förderung nureines ihrer Ziele ist. Heute sind sie zusammengekommen, um dasThema ‚Change Management’ gemeinsam zu vertiefen.Schulen lernen am besten von SchulenNach dem Prinzip ‚Schulen lernen am besten von Schulen’ arbeiteten in Reformzeit von 2006 bis Frühjahr 2011 jeweils 4 bis 5reforminteressierte Schulen in insgesamt 7 Bündnissen zusammen. Im gemeinsamen Austausch und mit Unterstützung undBegleitung von einem Schulberater sowie Fachexperten erprobten sie neue praxiswirksame Ansätze zur Förderung von Individualität und Heterogenität. Darüber hinaus bildeten alle 29 beteiligten Schulen aus Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalenund Niedersachsen ein überregionales Netzwerk, in dem sie ihreErfahrungen bündelten, neue Anregungen erhielten und ihr Wissen erweiterten.Erfolgreiche ProgrammelementeZugunsten der besseren Lesbarkeit werden im Folgenden nichtdurchgängig die weibliche und die männliche Form verwendet.Gemeint sind gleichberechtigt immer beide.4Das Schulleitungstreffen war eines von mehreren zentralen Programmelementen von Reformzeit. Neben dem jährlichen Gesamttreffen kamen hier die Vertreter des Gesamtverbunds allerReformzeit-Schulen ins intensive Gespräch. Dieser kollegiale Dialog sowie fachliche Fortbildungen und die gemeinsame Reflexionder Reformzeit-Arbeit ließen die Kollegen gestärkt in den Unterricht an ihren Schulen zurück kehren.Der befruchtende Austausch in der Bündnisarbeit war ein wichtiger Teil des Peer-to-Peer Ansatzes, der Reformzeit zugrunde liegt:Die Schulen lernen voneinander und entwickeln und verbessernso stetig Methoden zur Individualisierung des Unterrichts. DieEvaluation bestätigt diesen Ansatz: So ist neben der erfolgreichen

Umgestaltung des Unterrichts auch die Berufszufriedenheit derLehrer gestiegen.Überregionale Fortbildungen ergänzten die Prozessarbeit undgaben den Pädagogen das notwendige Rüstzeug für ihre Arbeitan die Hand. Jeder Schule standen außerdem finanzielle Mittel zurVerfügung, die sie je nach Bedarf für weitere Fortbildungen, notwendige Anschaffungen oder auch Reisekosten einsetzen konnten.Auf dem Weg der Prozess- wie Schulentwicklung begleitetenSchulberater die Reformzeit-Schulen: Sie halfen den Pädagogen,die Bündnisarbeit zu koordinieren, zu strukturieren und zu fokussieren. Dabei unterstützten sie nicht nur die Prozesse der Unterrichtsentwicklung, sondern sie standen auch den Schulleitungenberatend zur Seite.Als Expertenrat begleitete ein Beirat Reformzeit. Erfahrene Wissenschaftler und Praktiker, Länder- und Stiftungsvertretende undeine Vertreterin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung brachten ihre Expertise ein, gaben Impulse zur Programm arbeit und diskutierten Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten des Programms.Heterogenität als ErfolgsrezeptDer Erfolg von Reformzeit lag in der professionell begleitetenBündnisarbeit. Dazu gehörte auch der konstruktive Umgang mitHeterogenität. Denn je nach Zusammensetzung der Schulformen,dem Hintergrund des Schulberaters, den beteiligten Personen undden Entwicklungsaufgaben der einzelnen Schulen sah die Arbeitim Bündnis sehr unterschiedlich aus. Die Evaluation bestätigt denErfolg: Alle Schulen haben ihren Unterricht maßgeblich und nachweislich individualisiert. Und viele von ihnen werden auch nachdem Programmende weiter im Bündnis zusammenarbeiten.Mit der vorliegenden Dokumentation möchten wir dazu einladen,anhand von Reportagen, Interviews und Good-Practice-Beispielen die Erfahrungen und Ergebnisse der Reformzeit-Bündnissezu teilen, sich auf die individuellen Wege der einzelnen Schulen im Umgang mit dem Thema Heterogenität einzulassen – undselbst Formen individualisierten Lernens an der eigenen Schulezu initiieren.5

„Es gibt einen Lehrerkonferenzbeschluss, denich ohne Reformzeit mit dieser Mehrheit nieerreicht hätte, und der hieß, dass wir in denleistungsdifferenzierten Fächern, also Deutsch,Mathe, Englisch und Naturwissenschaften, mitden einer Gesamtschule zur Verfügung stehenden Ressourcen Lehrerteams schaffen, die gemeinsam Unterricht vorbereiten, durchführen und nachbereiten. Diese Lehrerteamshaben nach diesem Beschluss ihre Erfahrunggemacht. Es gibt Beispiele, von denen die Kollegen geradezu geschwärmt haben, was dieArt des Miteinanders, und was ihre Erfolge inden Klassen anging. Das funktioniert aber nur,wenn sich die Kollegen verstehen und wennsie einen ähnlichen pädagogisch-didaktischenAnsatz haben.“Schulleiter einer Reformzeit-Schule6

Das Bündnis IGS Franzsches Feldb r a n d e n b :Jörg Roman PuschBirkenwerderFriesackNauenb e r li nBündnis-Schulen:– Integrierte Gesamtschule Franzsches Feldin Braunschweig– Kopernikus-Oberschule mit gymnasialerOberstufe in Berlin-Steglitz– Pierre-de-Coubertin-Schule in Potsdam(Oberschule)– Spreewald-Schule in Lübben (Oberschule)Pot sdamBraunschweigStrausbergn i e d e r s a c h se nBelzigMüllroseLübben(Spreewald)ForstWeiteste Entfernung:280 kmBeraterschuleBeteiligte Bundesländer:Berlin, Brandenburg und NiedersachsenLauchhammerProjektschuleDie ReformzeitschulenBündnis IGSFF:1IGS Franzsches ansätze und huleBerlinGesamtschule3Pierre de Coubertin4Spreewaldschule LübbenSchulberatung:JörgPuschDie Teamarbeit im Bündnis ist am besten als gemeinsames Schiffzu bescheiben, mit dem Ziel des individualisierten Lernens. UndHelle-Bündnis:Stephan-Oberschulebisher ist keiner 5überWernerBord gegangen!Bemerkenswert waren die6Johannes-Falk-Schuleweiten Wege zwischen der Beraterschule und den Projektschu7Greenwich-Schulelen, die immer bereitwillig gefahren worden sind. Das Besondere8Waldenburg Schulein unserer Bündnisarbeitwar dieHeterogenität der Schulen mit9Oberschule„Carl-Friedrich-Grabow“ihren individuellenund unterschiedlichen Reformansätzen undSchulberatung:Andreas Leipeltder gemeinsamen Unterrichtsentwicklung, die effizienten, regelmäßigenmit denFriesackgemeinsamen WeichenBündnisFriesack:„Kerngruppentreffen“10 KooperationsschuleBelzigZiele, die bislang an unsestellungen sowie11dieOberschulebeachtlichen12 Fontane-Oberschuleren Schulen verwirklichtworden sind. Unsere Zusammenarbeit13 EvangelischeSchulealsNeuruppinwar sowohl problemund zielorientiertauch produktiv in derSchulberatung:AndreasSchwarzUmsetzung der getroffenen Maßnahmen – mit konstruktiven Konfliktlösungen. Individualisierung hieß für uns im Bündnis auch,4Future-Bündnis:14 Gesamtschule „Peter Joseph Lennè“die Heterogenität der unterschiedlichen Schulen und ihrer einzel15 Leonardo-da-Vinci-Campusnen Lehrkräfte ebenso im Fokus zu sehen wie die der Schüler.16 Friedrich-Ludwig-Jahn GymnasiumDas beeindruckendsteErgebnis desBündnissesaus meiner Sicht17 SportschulePotsdam„Friedrich-Ludwig-Jahn“als Schulberaterdie Tatsache, dass in einer Schule bereitsSchulberatung:Dr. h drei Jahren alle Jahrgänge und Klassen in einem reformierten jahrgangsorientierten Modell mit Tischgruppen einbezogenBerlinwaren. FünfJahre NetzwerkarbeitHauptschuleüber drei Bundesländer gelingtBerlinHauptschuledurch gemeinsam entwickelte Ziele, Umsetzungskonzepte undBerlinHauptschuleErgebnisse, die auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnenBerlinHauptschuleSchulen mitihren Lehrkräften undSchülern abgestimmt, erarbeiPrenzlauOberschuletet und in einzelnen Teams umgesetzt worden sind.Jörg tsdamGesamtschuleOberschule & AngermündeOberschuleOberschuleAllgemeine Förderschule7Bündnis Schlaubetal:181920Oberschule SchlaubetalOberschule „Am Wehlenteich“Europaschule „H. und S. Schumacher”

Das Bündnis IGS Franzsches FeldInterviewEin Austausch auf AugenhöheAndreas MeisnerSchulleiter der Integrierten Gesamtschule Franzsches Feld inBraunschweig über Netzwerkarbeit, Organisationsstrukturen undSchulbürokratieWarum ist Ihre Schule Beraterschule geworden?Wir haben gute Erfahrungen mit Netzwerkarbeit gemacht, auchin anderen Bündnissen. Es ist natürlich auch eine Ehre, einesolche Rolle einnehmen zu können. Trotzdem haben wir vonAnfang an nicht nur Geben im Sinne gehabt, sondern auch Nehmen. Wer von außen schaut, hat immer einen anderen Blick,und das schärft den eigenen. Deswegen waren wir gespannt,worauf unsere Bündnispartner besonders reagieren würden.Auch inhaltlich versprach Reformzeit sehr spannend zu werden. Die Vorgaben der Stiftung versprachen eine Auseinandersetzung mit Heterogenität auf einem sehr hohen Niveau, unddas ist auch eingelöst worden.Wussten die Bündnispartner anfangs bereits, was sie von Ihnenwissen wollten?Für die Bewerbung mussten wir uns ja alle darstellen, undanhand dessen wurden die Bündnisse dann zusammengestellt.Uns verband zum Beispiel der Punkt Teamarbeit. Mit den Jahren hat sich der Blickwinkel aber deutlich erweitert. Wir selbsthaben zum Beispiel im Bereich Berufsorientierung etwas verändert, das wäre für uns aber nie Thema Nummer eins gewesen.Sie selbst haben auch etwas gelernt?Natürlich! Im Hinblick auf Berufsorientierung etwa passiert inPotsdam und in Lübben sehr viel. Da haben wir uns inspirieren lassen und ein „Berufsorientierungszentrum“ eingerichtet,in dem Beratungen durch das Arbeitsamt stattfinden. Vorherkümmerten sich die Klassenlehrer darum, jetzt gibt es einenfesten Ansprechpartner – und es funktioniert besser. Und weilsich zwei der Bündnisschulen viel Mühe mit der Gestaltungihrer Klassenräume geben, laufen bei uns jetzt auch viele Aktionen zu dem Thema.Was bedeutet es konkret, Beraterschule zu sein?In der Anfangsphase ging es darum, die eigenen Kompetenzen für das Netzwerk zur Verfügung zu stellen, sowohl organisatorisch als auch inhaltlich und natürlich personell, und dieArbeitsweise unserer Schule vorzustellen. Aber schon bald entstand ein Austausch auf Augenhöhe, wir wurden eher gleichwertige Bündnispartner. Dafür entscheidend war, dass wir mehrere Tage zusammen arbeiteten, sodass eine Vertrauensebeneentstand. Sehr viel lief über persönliche Kontakte.8Sie waren also wirklich ein Bündnis?Wir haben uns ganz klar als Gemeinschaft betrachtet. Es gabeinen großen Wunsch, zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Das hätte allerdings noch intensiver sein können, wenn wirnicht so weit voneinander entfernt gewesen wären. Man hätteoft gerne gesagt: Wir haben hier eine tolle Fortbildung, schicktdoch mal drei Leute, damit die da mitmachen.Gab es noch weitere Herausforderungen?Für uns besonders bei den personellen Ressourcen. Die Schulein Lübben etwa hat sich in eine Teamschule umgewandelt, unddas ist ein mutiger Schritt, den wir sehr intensiv begleiten wollten. Da muss man auch als Moderator vor Ort sein, um dieSchule konkret erleben zu lassen, welche Vorteile so etwas mitsich bringt. Aber die Leute fehlen dann halt im eigenen Haus.Da erreicht man Grenzen und muss klar sagen: Das können wirleisten und das nicht. So etwas wurde aber von den anderenimmer akzeptiert.Was raten Sie anderen Schulen, die ihren Unterricht individualisieren wollen?Sie sollten sich auf jeden Fall Partner suchen, die sich auf einenähnlichen Weg gemacht haben. Der Austausch mit anderenSchulen ist ganz wichtig: Fragen, gucken, hingehen und hospitieren, auch schulformübergreifend. Und dann braucht manjemanden, der sich kümmert. Für den Erfolg von Netzwerkarbeit ist eine Organisationsstruktur unbedingt notwendig. Esmuss jemanden geben, der einlädt, nachfragt und die Fädenin der Hand hält. Bei Reformzeit war die Rolle des Schulberaters sehr wichtig. Und natürlich auch die Fortbildungen, die vonden Stiftungen für alle Bündnispartner organisiert wurden. Esist eigentlich bedauerlich, dass die Schulbürokratie das alleinenicht so hinbekommt und dass Stiftungen einspringen müssen.Die haben das aber in sehr professioneller Art und Weise getanund sehr empathisch gegenüber den Bedürfnissen der Schulen.Dafür kann man nur „Danke“ sagen.Interview: Beate Köhne

ReportageBereit, sich zu bewegenBeate KöhneTischgruppenarbeit, Klassenrat und Praxislernen helfen derSpreewald-Schule in Lübben, individuell auf ihre veränderteSchülerschaft einzugehenKatha und Anni kommen gern an ihre alte Schule zurück. DieSchülerinnen grüßen hier und da, bevor sie sich an einem Tischin der Cafeteria niederlassen. Vier Jahre lang, von der siebten biszur zehnten Klasse, sind die beiden auf die Spreewald-Schule inLübben gegangen. Stolz zeigen sie die Fotos vom Abschlussballim letzten Sommer. Der Jahrgang von Katha und Anni war bislangderjenige, der am meisten von Reformzeit profitiert hat.Inzwischen besuchen die beiden 16-Jährigen das Oberstufenzentrum Dahme-Spreewald, Abteilung 2 Lübben. Ihr Ziel ist dieAllgemeine Hochschulreife – für Oberschüler keineswegs selbstverständlich. Andreas Kurzhals, Schulleiter der Spreewald-Schule,kann in seinem Büro erfreuliche Statistiken präsentieren: DieSchulabschlüsse des ersten Oberschuljahrgangs an der Spreewald-Schule lagen deutlich oberhalb der Prognosen.Schule muss sich verändernReformzeit begann gerade zur rechten Zeit: Noch vor einigenJahren hätten Katha und Anni an der Spreewald-Schule bleibenkönnen, um ihr Abitur zu machen. Doch zeitgleich mit dem Programmstart wurde die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufezur Oberschule umgewandelt. Die Schülerzahlen gingen dramatisch zurück, parallel dazu wurden Lehrerstellen abgebaut. Heutearbeiten nur noch 28 Lehrer an der Spreewald-Schule „Wir wollen und wir müssen Schule verändern“, sagt Andreas Kurzhals.Der Schule fehle jetzt die Leistungsspitze, die Förderbedürftigkeit werde immer größer, die Möglichkeiten immer geringer. DochJammern helfe ja nicht: „Auf diese veränderte Schülerklientelmuss man reagieren.“Differenzierung hielt auch Andreas Kurzhals für die Lösung.Und so trafen die Lübbener mit der IGS Franzsches Feld in Braunschweig auf eine erfahrene Beraterschule. „Wenn man dort reinkommt, dann sieht man sofort, dass diese Schule lebt, und wieviel passiert“, schwärmt Andreas Kurzhals. „Sie können sich Lehrer wie Schüler aussuchen, weil so viele dorthin wollen.“ AlleJahrgangsleiter, die zur Fortbildung nach Braunschweig reisten,seien begeistert zurückgekommen. „Aber man muss natürlichimmer gucken, was wirklich zu übernehmen ist, auch wenn vieleBegehrlichkeiten geweckt werden“, sagt der Schulleiter.Tischgruppenarbeit ist motivierenderVon den Braunschweigern haben sich die Lübbener zum Beispiel abgeschaut, wie man Jahrgänge organisiert. An der BerlinerBündnisschule informierten sie sich über Sozialarbeit und dieOrganisation des Freizeitbereichs, von den Potsdamern holtensie sich Anregungen für das Praxislernen: Jetzt beginnt auch ander Spreewald-Schule die Berufsorientierung und -vorbereitungbereits in der siebten Jahrgangsstufe. Betriebspraktika, Blockphasen mit eintägigen Betriebsbesuchen oder Besuche an denArbeitsstätten der Eltern – nicht alles davon ist neu an der Schule.„Wir haben für das Praxislernen aber jetzt eine feste Struktur entwickelt“, erklärt Andreas Kurzhals, „das Konzept des letzten Jahres bildet die Basis für das nächste Jahr.“Auch Tischgruppenarbeit sahen die Lübbener zunächst inBraunschweig. Fachlehrer für Englisch und Mathematik kamen imBündnis zusammen und entwickelten Beispiele für differenziertere Aufgabenstellungen. Dann wurde auch an der SpreewaldSchule die Tischgruppenarbeit ausprobiert – zunächst im damaligen siebten Jahrgang von Katha und Anni. „Tischgruppenarbeitist motivierender als normaler Unterricht“, findet Katha. „Es istnicht so langweilig, als wenn alle auf ihren Plätzen sitzen. Und eshilft, wenn man kurz miteinander redet. Bis einer sagt: Los, jetztmachen wir weiter!“ Anni nickt: „Ja, und außerdem kann man sichgegenseitig beraten, wenn einer mal nicht mehr weiter weiß.“Elke Klatt, die ehemalige Klassenlehrerin der Mädchen, hatheute eine Vertretungsstunde in der Klasse 9/1. übernommen.Die Schüler beschäftigen sich mit dem Thema „Verpackung“. Inihren Tischgruppen diskutieren sie lautstark über Form, Farbe undRecycling der Produkte, die ihnen die Lehrerin mitgebracht hat.Da fällt es kaum auf, dass Katha und Anni kurz hereinkommen,9

Das Bündnis IGS Franzsches FeldReportageum ihre ehemalige Lehrerin zu begrüßen. „Tischgruppenarbeit istim Unterricht nicht erholsam und aufwendig in der Vorbereitung,das muss man aushalten“, sagt Elke Klatt, „aber man muss sichnur mal umschauen: Die Schüler arbeiten alle!“Nur die Eltern sind oft skeptisch. „Wir haben ihnen gesagt: Vonder Vielfalt lernt Ihr Kind auch“, sagt der Mathematik- und Physiklehrer Eberhard Volkmer. Trotzdem würden die Eltern gerade inder neunten und zehnten Klasse auf äußere Differenzierung in Aund B-Kurse drängen. Er selbst ist überzeugt davon, dass innereDifferenzierung alle weiter bringt – nicht nur die Schüler. „Wennman noch ein bisschen Freude an seinem Beruf haben will, dannmuss man sich wirklich etwas überlegen“, sagt Eberhard Volkmer.Auch das Co-Lehrer-Prinzip und die Jahrgangsteams haben ihnüberzeugt, und das, obwohl an der Spreewald-Schule – andersals an größeren Schulen – jeder Lehrer in mehreren Teams aktivsein muss. Eberhard Volkmer sieht es als Bestätigung des neueingeschlagenen Weges, dass jetzt so viele Schüler die Fachoberschulreife erreicht hätten, denen das vier Jahre zuvor keiner zugetraut habe: „Das macht mir Mut, auf dem Weg ein Stück weiterzu gehen.“Problemlösen nicht nur im KlassenratDie Tür der Sozialarbeiterin Monika Kositz im zweiten Obergeschoss des Plattenbaus steht immer offen. „Es ist ein freiwilligesAngebot“, betont sie. Niemand müsse zu ihr kommen, und wernicht wolle, der müsse auch nicht reden. Schließlich stehen auchviele Spiele und Materialien in den Regalen. Mittlerweile ist RaumA10 immer gut besucht – und Monika Kositz weiß besser als vieleLehrer, was bei den Schülern zu Hause so los ist. Über Problemeuntereinander können die Schüler jetzt auch im Klassenrat reden,dessen Konzept die Spreewald-Schule von der Bündnisschule inBraunschweig übernommen hat. In dieser Stunde sind Schülerund Lehrer gleichberechtigte Teilnehmer. Ein Schüler führt dasProtokoll, zwei Schüler leiten das Gespräch. Diese Rollen wechseln reihum. „Der Klassenrat ist total wichtig“, sagt die 16-jährigeKatha, „denn über manches muss man einfach sprechen. Wenndafür aber von Mathe zehn Minuten abgehen, dann fehlt einemhinterher der Stoff.“Sobald Probleme auftauchen, fordern die Schüler den Klassenrat mittlerweile auch selbst ein. Das freut die Sozialarbeiterin Monika Kositz besonders: „Hilfebedarf anzumelden, muss jaerst mal gelernt werden.“ Noch steht jedoch nicht bei allen der10Klassenrat regelmäßig im Stundenplan. „Veränderungsprozessebrauchen ihre Zeit“, sagt Schulleiter Andreas Kurzhals. Insgesamt gebe es zwar die Bereitschaft sich zu bewegen, das zeigedie zügige Einführung des Ganztagsunterrichts zu diesem Schuljahr oder die Einführung des 90-Minuten-Blockunterrichts. Auchdie Teamstrukturen im Kollegium hätten sich verbessert. Dochnicht alle hätten automatisch Feuer gefangen, als die Schule demReformzeit-Bündnis beigetreten sei. Jetzt hofft Andreas Kurzhals,dass das gute Beispiel einiger Kollegen die anderen noch mitziehen wird: „Der Prozess ist begonnen, aber noch lange nichtabgeschlossen.“

Good PracticeSchulinterne aufeinander aufbauende Fortbildungenzum individualisierten Lernen (zunächst mit Externen)SchuleKopernikus-Oberschule, BerlinZiele– Verankerung von Strukturen zur nachhaltigen Förderungselbstständigen und individ

Reformzeit – Eine erfolgreiche Lerngemeinschaft 3 Vorwort von Dr. Anja Durdel, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, und Günter Gerstberger, Robert Bosch Stiftung Reformzeit – Wie Schulen von Schulen lernen 4 Dr. Anja Grosc