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Nachhaltigkeit- zentrale Herausforderung des21. Jahrhunderts und seine Bedeutungfür Unternehmen und die öffentliche HandProf. Dr. Ronald BogaschewskyZentrum für öffentliche Verwaltung undBeschaffung (ZöVB)NARO.TECH-SPEZIALNachhaltige Beschaffung in Unternehmen und öffentlichen EinrichtungenErfurt, 14. September 2016Was ist Nachhaltigkeit?„Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse derGegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationenihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“(Brundtland-Kommission: Bericht „Our Common Future“, 1987, S. 51)Intergenerationelle Gerechtigkeit (Generationengerechtigkeit) Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg21

Dauerhafte Entwicklung (Sustainability)„Im wesentlichen ist dauerhafte Entwicklung ein Wandlungsprozeß,in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, dieRichtung technologischer Entwicklungen und institutioneller Wandelmiteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potentialvergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.“(Brundtland-Kommission: Bericht „Our Common Future“, 1987, S. 57) Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg3Nachhaltige Ressourcennutzung Hans Carl von Carlowitz (1645-1714; sächsischer Uradel)„Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtunghiesiger Lande drinnen beruhen / wie eine sothane Conservationund Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierlichebeständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eineunentbehrliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse*nicht bleiben mag.“(Sylvicultura oeconomica oder haußwirthliche Nachricht undNaturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, , 1713)*Esse: Wesen Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg42

Regenerative Ressourcen und Nachhaltigkeit Georg Ludwig Hartig (1795)„Es läßt sich keine nachhaltige Forstwirtschaft denken und erwarten,wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeitberechnet ist. Jede weise Forstdirektion muß daher ihreWaldungen so zu benutzen suchen, daß die Nachkommenschaftwenigstens ebenso viel Vorteil daraus ziehen kann, als sich diejetzt lebende Generation zueignet.“(Anweisung zur Taxation der Forsten, Gießen, zitiert nach Sperber, 1994, S. 37)„Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen soll ihre Regenerationsratenicht überschreiten. Dies entspricht der Forderung nach Aufrechterhaltung der ökologischen Leistungsfähigkeit, d.h. (mindestens)nach Erhaltung des von den Funktionen her definierten ökologischen Realkapitals.“(Enquete-Kommission, 1994, S. 45) Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg5UN Sustainable Development Goals (SDGs)Nachfolger der Millenium Goals, die nur sehr rudimentär erreicht wurden! Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg63

Ressourcenknappheit Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg7Nachhaltigkeit: Triple-Bottom-Line-AnsatzÖkonomieÖkologie Prof. Dr. Ronald BogaschewskySozialLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg84

Multidimensionalität der WertketteEntnommen aus SEXTL, G.: „Gehen uns die Rohstoffe aus?“ Vortrag im Rahmen des BME-Forums Rohstoffe im Okt. 2011.Quelle der Abb.: forschung/Lehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky9Geologische Verfügbarkeit: Statische erforschte Rohstoffpotentiale Gesamtvorräte er1429Indium16943ReservenReservenbasis„Die statische Reichweite gibt die Zeitspanne in Jahren an,für die bei aktuellem Verbrauch die weltweit bekannten undwirtschaftlich förderbaren Vorkommen eines nicht-erneuerbarenRohstoffs noch reichen werden.“ Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Statische : USGS, BGR-Datenbanken, 2009, Grafik: Deutsche Rohstoffagentur, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg105

Entwicklung der Materialvielfalt (1700-2000)Entnommen aus SEXTL, G.: „Gehen uns die Rohstoffe aus?“ Vortrag im Rahmen des BME-Forums Rohstoffe im Okt. 2011 Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg11Markt als RegelungsmechanismusMärkte bilden die zumeist relativ kurzfristige Sicht derMarktakteure (Anbieter und Nachfrager) ab (myopisch).Zunehmende Verknappungen von Ressourcen im Zeitablaufwerden damit oft erst bei Eintreten der Verknappung eingepreist.Märkte sind daher nicht in der Lage die langfristige Bedeutungstrategischer Ressourcen abzubilden und damit Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen (partielles/totales Marktversagen).Märkte berücksichtigen auch keine (hier negativen) externenEffekte, die Einzelne oder die Gesamtheit benachteiligen.Der Staat (die Staatengemeinschaft) muss durch nachhaltigkeitspolitische Maßnahmen steuernd eingreifen (bspw. zurInternalisierung externer Effekte). Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg126

Unternehmen und Staat als Gestalter Der Staat als Nachfrager !Entnommen aus SEXTL, G.: „Gehen uns die Rohstoffe aus?“ Vortrag im Rahmen des BME-Forums Rohstoffe im Okt. 2011. Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg13Öffentliche Beschaffung als KerntreiberDas gesamte öffentliche Beschaffungsvolumen in Höhe von250-350 Mrd. EUR bietet die Möglichkeit starke Impulse bei derNachfrage nach nachhaltigen Gütern zu setzen.Nachhaltige Produkte bieten das gewichtete „Optimum“hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Ziele.Bereits die systematische Ansetzung der Lebenszykluskostenanstelle von Einstandspreisen verschiebt die Beschaffungsentscheidung häufig zugunsten nachhaltiger Produkte.„Vergabefremde“ Aspekte wie die Förderung regionaler oderkleiner Betriebe können oftmals unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gut integriert werden. Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg147

Was ist zu tun?Entwicklung und Festschreibung der nachhaltigkeitsorientiertenVision und Strategie der Behörde als intern normengebenderOrientierungsrahmen für alle Beteiligten.Erfassung / Definition / Analyse der ökonomischen, ökologischenund sozialen Ziele ( Nachhaltigkeit) für die jeweiligen Vergaben.Systematische Nutzung der Lebenszykluskostenanalysein geeigneten Ausschreibungen.Lassen Sie sich nicht durch überzogene vergaberechtlicheBedenken in Ihrer Entscheidungsfreiheit knebeln! Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg15Wo bekommt man Hilfen?Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) www.fnr.deBundesministerien / Landesministerien / KommunenVerbände / VereineKanzleien / Beratungshäuser.Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk www.vubn.de Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg168

Verwaltungs- und BeschaffernetzwerkRund 100 Fachgruppen, u.a. zur Nachhaltigkeit, die ihr Wissen und IhreErfahrungen online (bei höchstem Datenschutz) teilen! Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg17Langfristig gesehen existiertkeineAlternative zunachhaltigemHandeln! Prof. Dr. Ronald BogaschewskyLehrstuhl für BWL und IBL – Uni Würzburg189

KontaktVielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !Gern beantworte ich Ihre Fragen.Prof. Dr. Ronald BogaschewskyTel. 0931 – 31 – 82936http://ibl.wifak.uni-wuerzburg.deE-Mail: [email protected] für Betriebswirtschaftslehre und IndustriebetriebslehreWirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Universität WürzburgSanderring 2, 97070 Würzburg10

3 Regenerative Ressourcen und Nachhaltigkeit Georg Ludwig Hartig (1795) „Es läßt sich keine nachhaltige Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit