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WeihnachtsderFrohe Weihnacht!Das Festder HoffnungDezember 2020Mit Leibund Seele

2 derWeihnachtsbote EditorialLiebe Leserinnen, liebe Leser!Ein ganz besonderes Jahr geht zu Ende. Es war kein wirklich gutes Jahr, vor allemnicht für die Menschen in der Hotellerie und Gastronomie. Corona, der Lockdown,die vorsichtige Entspannung im Sommer, die zweite Welle, die aufs Neue verunsichert.Es ist ein Wunder, dass die meisten durchgehalten haben. Dass sie ihren Mutnicht sinken ließen, obwohl die Lage so schwer ist. Das Licht am Ende des Tunnels,alle sehnen sich danach. Die Weisen aus dem Morgenland sind eines Tages diesemLicht gefolgt, dem Stern von Bethlehem, der sie zum Kind in der Krippe führt.Wir werden dieses Jahr anders Weihnachten feiern, ohne große Festivitäten,Adventsmärkte und gesellige Runden. Die frohe Botschaft jedoch, die darinenthalten ist, brauchen wir mehr denn je. Das Kind in der Krippe steht für denTrost, den uns der Glaube schenken kann. Für die Hoffnung, dass das Leben auch dannweitergeht, wenn wir gerade nicht mehr wissen wie.Der Weihnachts-Bote soll ein Begleiter sein durch den Advent, die Festtage und den Jahreswechsel. Mit Menschen aus dem Gastgewerbe, die erzählen, wie es ihnen erging und wasihnen geholfen hat. Wirtsleuten, die anfingen, gemeinsam zu pilgern, eine Brauereitochter,die Bier genauso liebt wie Luther, und ein Gastronomie-Gottesdienst, der zum ersten Malnur online stattfindet.Ein frohes Fest und Gottes Segen für Sie und ihre HäuserTobias SchneiderLandesvorsitzender des Vereins Kirchliche Dienste im Gastgewerbe/Missionarischer Dienst im Hotel- und Gaststättengewerbe (KDG/MDHG)3 S ternekoch und Tourismusdirektor4 Umfrage: Corona und die Folgen6 Gottesdienst online7 Die Weisen ausdem Morgenland8 Christkind und Nikolaus9 Bier und Bibel10 Pilgerherberge11 Wenn Wirtsleute wandern12 Kirchlicher Dienstim GastgewerbeIMPRESSUMHerausgeber:Kirchliche Dienste im Gastgewerbe/Missionarischer Dienst im Hotel- undGaststättengewerbe (KDG/MDHG)Vorsitzender:Tobias Schneider, StuttgartVerlag und Vertrieb:Evangelischer Verlag Stuttgart GmbH,70197 Stuttgart, Augustenstraße 124Telefon: 0711/60100-0, Fax: 0711/60100-76E-Mail: [email protected]äftsführer: Frank ZeithammerGeschäftsstelle:Grüningerstr. 25,70599 StuttgartRedaktion:Andreas SteidelE-Mail: [email protected]:Volksbank am Württemberg eGIBAN: DE97 6006 0396 0075 5240 07Redaktionelle Mitarbeit:Heike Hauber, Kurt Hoffmann,Sylvia Polinski, Tobias SchneiderDer Bezug des Boten wird durch Spendengetragen.Grafische Gestaltung:Lukas Kretzschmar, tebitron gmbh, GerlingenTitelfoto: Kurt Hoffmannyellowj/Fotolia ; annca, Rebekka D/PixabayDruck:Richard Schlecht GmbH, HolzgerlingenFoto: Terri Cnudde/pixabay, artistlike/pixabay, privatINHALT

derWeihnachtsbote Porträt 3Sterne   des   SüdensBaiersbronn im Nordschwarzwald ist eine Hochburg der Spitzengastronomie. Da passt es, dass auch derTourismusdirektor einst Koch in einer Sterneküche war.Fotos: Pressebild, Schwarzwald-Tourismus, pixabay1996 begann der 19-jährige PatrickSchreib aus Villingen-Schwenningeneine Ausbildung als Koch in derTraube Tonbach. Es war das erste Malin seinem Leben, dass es ihn beruflich nach Baiersbronn verschlug. Daszweite Mal kam er, nachdem er inder Schweiz Erfahrungen in einemZwei-Sterne-Restaurant gesammelthatte. Die Spitzengastronomie warsein Ding, keinen Moment hat er bereut, dass er sein Geographiestudiumvorzeitig beendete. „Ich wollte etwasmit meinen Händen erschaffen“, sagter rückblickend. Wieder arbeitete erunter Harald Wohlfahrt in der Traube,um dann abermals in die Alpen zugehen, als Alleinkoch in einer Südtiroler Berghütte.Dort lernt er auch wirtschaften undentscheidet sich für ein duales BWLStudium im Bereich Hotellerie undGastronomie. Er will Verantwortung,in einem Hotel oder in der Küche,doch dann kommt es anders: Einerseiner Professoren machte ihm dasMarketing schmackhaft, in Badenweiler im Südschwarzwald verdienter sich seine ersten Sporen.Und so entwickelt Patrick Schreib,der Koch, ab jetzt Rezepte für denTourismus im Lande. 2008 kommt dabei abermals Baiersbronn ins Spiel.Patrick Schreib: Der Tourismus direktor von Baiersbronn war früher selbst Spitzenkoch.Dort suchen sie einen Tourismusdirektor. Er bewirbt sich und wird genommen, mit 33 Lebensjahren übernimmt er einen der wichtigsten Fremdenverkehrsorte in Baden-Württemberg mit knapp 900.000 Übernachtungen.Für Patrick Schreib ist es eine wunderbare Fügung: In Baiersbronnkommt alles zusammen, seine Erfahrung in der Gastronomie und seinMarketingtalent ergänzen sich hierNatur pur: Der Wilde See im Nationalpark gehört zum Gemeindegebietvon Baiersbronn.aufs Vortrefflichste. Nirgendwo gibt esso viele Sternerestaurants wie hierund eine Dichte an guten Gasthäusern, die auch die zufrieden stellt, diees etwas einfacher haben möchten.Da hilft es natürlich, wenn der oberste Touristiker deren Welt und Bedürfnisse kennt. Die Corona-Krise hat natürlich auch Baiersbronn stark zugesetzt, „aber zum Glück haben wir hierviele gesunde Familienbetriebe“, sagtPatrick Schreib. Der Austausch unterden Kollegen funktioniert und wo esnur geht, hilft Patrick Schreib, dieKommunikation in Gang zu halten.Zu diesem Netzwerk trägt auch derKirchliche Dienst im Gastgewerbe bei,der Kirchenbezirk Freudenstadt istder einzige in Deutschland, der eineeigene Gastronomie-Pfarrstelle hat.„Ich finde es gut, dass es das gibt“,sagt Patrick Schreib, der nun schonseit zwölf Jahren in Baiersbronn dieGeschicke im Tourismus lenkt. Siehtganz so aus, als ob er diesmal bleiben will, in einer Umgebung, die ernicht nur kulinarisch zu schätzen gelernt hat. „Baiersbronn“, sagt derheute 45-Jährige, „ist eine einmaligeMischung, so etwas gibt es keinAndreas Steidelzweites Mal“. www.baiersbronn.deSterneküche ganz wörtlichgenommen.

4 derWeihnachtsbote UmfrageWie war das Jahr,was hat Ihnen geholfen?Die Corona-Krise hatte das Gastgewerbe 2020 voll im Griff. Wir haben Gastronomen im Land gefragt,wie es für sie war und was ihnen geholfen hat.Elisabeth Berger (56),Kronenhotel in Stuttgart:Wir sind ein Vier-Sterne-Hotel garniin der Stadtmitte, ein Familien betrieb, den mein Mann Antonund ich seit 2004 engagiert führen. Corona hat uns sehr hart getroffen, 80 Prozent unserer Gäste sind Geschäftsleute, darunter viele Stammgäste, die derzeiteinfach nicht reisen. Messen undGroßveranstaltungen w urden ab gesagt, kulturelle Events findenkaum statt. Viele unserer Mit arbeiter sind in Kurzarbeit. Wirgehen davon aus, dass uns die Corona-Krise auch 2021 noch begleiten wird.Eine große Hilfe ist, dass meinMann und ich den Betrieb gemeinsam führen, dass unsereEigen tümer hinter uns stehenund wir Mitarbeiter haben, denenwir vertrauen können. Wir wissenalle nicht, was noch auf uns zukommt, doch wir glauben fest daran, dass wir es gemeinsam undmit Gottes Hilfe schaffen werden.www.kronenhotel-stuttgart.dejahr, die Corona-Pandemie wird unsnoch lange begleiten, die Branchewird sich verändern. Wir haben alleerfahren, wie verwundbar wir sindund müssen uns für die Zukunft Gedanken machen, wie wir uns für solche Situationen wappnen können.In diesen schwierigen Zeiten hatsich der Zusammenhalt der Familiebewährt. Wir glauben trotz aller Widrigkeiten an eine gute Zukunft fürunsere Branche und hoffen auf dasVerständnis unserer Gäste. Nur gemeinsam können wir den unsichtbaren Gegner Covid-19 rista Uhl mann (66),UhlmannMetzgereiund Party service inObersulm:Seit Märzliegt der Bereich Catering bei unsam Boden. Hochzeiten, Familienfeiern, Taufen, Konfirmationen,Weihnachtsfeiern, nichts findetmehr statt. Das sind 50 Prozentunseres Geschäfts, wir haben Veranstaltungen zwischen 10 und600 Personen beliefert. Wenigstens die Metzgerei läuft, aber esbleibt ein riesiges Loch, das nichtmehr zu stopfen ist.Zum Glück steht die Familie zusammen. Manchmal sitzen wirzusammen und beten, dass esweitergeht.www.partyservice-uhlmann.deFotos: DEHOGA BW, privat (2)Fritz Engelhardt (62), Inhaber desdes Drei-Sterne-Superior-Hotels Engel hardt in Pfullingen und DEHOGA- Präsident in Baden-Württem berg:Auch unser Haus (55 Zimmer, dreiSterne, Hotel garni) hat die CoronaPandemie stark getroffen. Wir habenden Betrieb schnellstmöglich sehrklein gemacht. Als es wieder losging, haben wir nur mit der Familieund einer Reinigungskraft begonnen, die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Wir haben sie dann schrittweise zurückgeholt, der Wiedereinstieg war eine Herausforderung.Noch immer fehlen uns 50 ProzentAuslastung im Vergleich zum Vor-

derFriedrich Rentschler (26) und CarinaLinnemann (23), Landgasthof undTagungshotel Löwen in Wildberg:Wir haben viel investiert in den letzten Jahren und uns auf Tagungenspezialisiert. Eine gute Auslastungunter der Woche, ergänzt von denFamilienfeiern am Wochenende.Beides ist nun ein Stück weit weggebrochen. Doch wir haben auchden Lockdown genutzt, um uns neuaufzustellen. Der Tourismus ist eineinteressante Perspektive: Wir gehören nun zu den Qualitäts-Gastgebern des Deutschen Wanderver-Fotos: Steidel, privat (2)Jürgen Koch (57), Hotel Laurentiusin Weikersheim:Wir sind ein Drei-Generationen- Betrieb mit einem Gourmetrestaurant (ein Michelin-Stern) und einemkleinen familiengeführten Hotel mit13 Zimmern. Zusammen mit meinerFrau Sabine führe ich das Unternehmen. Corona hat uns mit ständigwechselnden Herausforderungenbands und sind ein ADFC Bett-undBike-Betrieb. Zum Glück liegt unserHotel mitten im Schwarzwald undist auch für Urlaubsgäste attraktiv.Erst im November letzten Jahressind wir in den elterlichen Betriebeingestiegen. Wir wollen hier unsere Erfahrungen aus der SpitzenGastronomie einbringen und siemit der bodenständigen Traditiondes Landgasthofs verbinden. Einereizvolle Kombination, an deren Erfolg wir glauben – auch unter denderzeitigen . Die Geschäftsreisendenbrachen weg, dafür kamen mehrTouristen aus dem Inland. Die Zeitdes Lockdowns haben wir für Umstrukturierungen und Renovierungen genutzt. Was uns geholfenhat? Gottvertrauen, die Familie,Freunde und die Unterstützung derPolitik – genau in dieser Reihenfolge.www.hotel-laurentius.deWeihnachtsbote Umfrage 5Nicole Domon (47), Hotel Restau rant Schwanen in Köngen: Corona hat uns sehr hart getroffen. Wir sind ein Familienbetriebmit Restaurant und Hotel,hauptsächlich für Geschäftsreisende. Zehn Wochen hatten wirganz zu, aber auch danach wares kein normales Arbeiten. Vonunseren drei Standbeinen Hotel,Catering und Restaurant sindzwei weggebrochen, nur das Restaurant hält uns über Wasser.Die Geschäftsleute kommennicht mehr, Veranstaltungengibt es fast keine. Neulich hatten wir eine Konfirmation mitfünf Gästen.Geholfen hat uns der Zusammenhalt der Familie und derMitarbeiter, ein wenig Gottvertrauen, aber auch die Solidaritätder Gäste. Den Abholservice haben sie während des Lockdownsin großem Umfang genutzt. Vonder Politik wünsche ich mir, dasssie das Geld nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern gezieltdie Branchen unterstützt, diewirklich hart getroffen sind! Indieser Situation brauchen wirzusätzliche Kredite mit null Zinsen, so wie es die Schweiz vorgemacht hat.www.schwanen-koengen.de

6 derWeihnachtsbote GottesdienstOnline-Weihnachtsbotschaftstatt GottesdienstKamera ab: Der Kirchliche Dienst im Gastgewerbe bei den Arbeiten für die Video andacht. Gedreht wurde nicht in der Kirche, sondern in einem Hotel-Restaurant.Mitarbeitenden in der Gastronomieaber dennoch für diese besondere Zeitdes Jahres ein paar Gedanken mitgeben. Darum haben wir uns für die Erstellung einer Video andacht entschieden, die wir direkt in einem Hotel- undRestaurant betrieb gedreht haben.Auf diese Weise möchte wir die Botschaft vom Kind in der Krippe und dieVerbindung zwischen Gastgewerbeund Weihnachten direkt zu Ihnennach Hause oder in die Betriebe bringen. Sie können die Videoandacht alleine anschauen oder auch im Betrieb im Kreis der Mitarbeitenden zeigen und wir freuen uns, wenn siedieses Angebot auch an weitereGastro nomen weitergeben.Das Video finden Sie unter: www.weihnachtsbotschaft-gastgewerbe.deFotos: Kurt HoffmannSeit vielen Jahren ist unser Gottesdienst für das Gastgewerbe in derStuttgarter Stiftskirche ein Highlightin der Adventszeit und ein Ort derBegegnung für viele Gastronomenund Freunde der Gastronomie. In diesem Jahr sind jedoch Gottesdienstund anschließender Empfang nicht inder üblichen gemütlichen und attraktiven Weise möglich.Darum haben wir uns schweren Herzens für eine Absage des Gottesdienstes entschieden. Wir möchten allen

derWeihnachtsbote Andacht 7Die Weisen und die WirtsleuteFoto: Ambroz/pixabay, Rike/pixelio, Markus53/pixabayDie Weisen aus dem Morgenland sindaus der Weihnachtsgeschichte nichtwegzudenken. In der Tradition sindes drei „Weise“ oder „Könige“, dieim Stall in Betlehem auftauchen, umden neu geborenen König zu ehren.Die Bibel erzählt dabei auch, wie sieüberhaupt dorthin gekommen sind:Als Sterndeuter haben sie im Auftauchen eines Sterns erkannt, dass dortim judäischen Land etwas ganz Wichtiges passiert.Die Reise der Weisen aus dem Morgenland war lang und vermutlichauch beschwerlich. Außerdem reisten sie zuerst auch noch an denfalschen Ort, nach Jerusalem zu Herodes. Erst danach fanden sie letztlich das Jesuskind in der Krippeund überreichten ihm die berühmtenGeschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe – bevor sie sich wieder aufdie Rückreise machten.Das Herkunftsgebiet der drei Weisenlag im Osten, im Gebiet des heutigenIrak oder Iran. Auf ihrem Weg nachBetlehem waren sie mitsamt ihremGefolge viele Tage unterwegs, durchunwirtliche Wüste. Sie sind vermutlich auf einer großen Handelsstraßegereist, auf der es natürlich auchHerbergen gab. Dort konnten die Reisenden ausruhen und essen und esgab Futter und Wasser für die Kamele, Pferde und Esel.Und abends saßen dann die Reisenden zusammen, gemeinsam mitdem Wirt, und erzählten sichGeschichten von ihren Erlebnissen. Die Weisenaus dem Morgenlandhatten viel zu erzäh-len. Auf der Hinreise haben sie denMenschen vom Stern berichtet, demGrund für ihren Weg nach Westen.Und auf der Rückreise erzählten sievom Kind im Stall. Von der Krippeund diesem besonderen Gefühl, dassie in Gegenwart dieses Neugeborenen hatten. Dem Gefühl, dass sichHimmel und Erde berühren, weil Gottselbst zum Menschen geworden ist.Es ist für mich ein schöner Gedanke,dass es Herbergen – oder modern gesagt Hotels und Gastwirtschaften –waren, an denen sich die Botschaftvom Sohn Gottes als Erstes verbreitet hat. Durch die Reisenden ausdem Morgenland. Und durch die damaligen Gastronomen, die weitertrugen, was die Weisen ihnen erzählten. Die Geschichte von dem kleinenKind in Betlehem, das zugleich derKönig der Könige ist.Tobias SchneiderGasthaus „Drei Könige“„Dreikönig“ kommt immer wieder auch als Gasthausname vor. In der Schweiz zum Beispiel,wo es in Appenzell eine Wirtschaft „Drei Könige“ gibt oder in Oberwolfach im Schwarzwald, wo ein Hotel eben diesen Titel trägt.Zahlreiche Gasthofnamen haben christlicheWurzeln, so geht wohl auch die „Krone“ aufdie biblischen Drei Könige zurück, ebenso wiedie Wirtschaften „Zum Mohren“, weil einer derKönige eine dunkle Hautfarbe hatte.Das Wirtshaus „Drei Könige“ imSchweizer Appenzell.

8 derWeihnachtsbote HintergrundDas Christkind undder WeihnachtsmannWeihnachten kann ganz schön verwirrend sein: Wer bringt denn jetztdie Geschenke, das Christkind oder der Weihnachtsmann? Oder ist esvielleicht der Nikolaus? Eine kleine Geschichte des Schenkens und derGabenbringer.kind“ ganz am Anfang und weil esan Jesus in der Krippe erinnerte, warfortan der 25. Dezember der Tag derBescherung.Mehr und mehr begann sich dasChristkind auch in katholischen Gegenden durchzusetzen: Als seineevangelischen Wurzeln allmählich inVergessenheit gerieten, wurde esüber die Konfessionsgrenzen hinwegzum beliebten Gabenbringer.Konkurrenz bekam es erst im19. Jahrhundert wieder vom Weihnachtsmann. Der ist eine protestantische, aber auch stark ver-Blondgelocktund mitFlügeln:Das Christ kind desFürther Weih nachtsmarktes.Der ChriskindlesmarktBlondgelockt und mit Flügeln eröffnet das Christkind in Nürnbergalljährlich den Weihnachtsmarkt(Ausnahme: In Corona-Jahren).Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist einer der größten undbekanntesten Weihnachtsmärkteweltweit, die Rolle des Christkinds heiß begehrt. Der Markt istseit 1628 nachweisbar, die Stadtund das Christkind haben eineevangelische Tradition.Weihnachtsmann rot-weiß: Das Outfithat ihm einst Coca-Cola verpasst.weltlichte Abwandlung des Nikolauses und fand zunächst in Norddeutschland seine Anhänger. Überalle Maßen populär wurde er durchein Weihnachtslied aus dem Jahre1840, das der Verfasser der deutschen Nationalhymne, Hofmann vonFallersleben, getextet hatte: „Morgenkommt der Weihnachtsmann, kommtmit seinen Gaben.“In Amerika heißt der Weihnachtsmann übrigens Santa Claus, wasletztlich nichts anderes ist als eineAbwandlung des Namens Nikolaus.Sein heutiges Erscheinungsbild hat erübrigens auch den Amerikanern zuverdanken: Der Mann mit dem rotenMantel und weißen Bart entstammteiner Werbekampagne von Coca-Colaaus den 1930er Jahren.Wie der echte Nikolaus aussah, weißkeiner. Heute darf er selbst bei Evangelischen am 6. Dezember den Stiefelfüllen. Zur Not lässt man sich haltzweimal beschenken, auf irgendeineArt ist das dann ja auch wieder ökumenisch. Andreas SteidelFotos: Foto: pixelio/DS, SteidelDer Reformator Martin Luther konntekatholische Heilige nicht leiden. Einer von diesen Heiligen war Nikolausvon Myra, ein Bischof aus dem Gebiet der heutigen Türkei, der zumSchutzpatron der Kinder wurde. Anseinem Todestag, dem 6. Dezember,bekamen sie von ihm Geschenke.Luther beendete diese Tradition undließ die Geschenke inevangelischen Haushalten vom „HeiligenChrist“ bringen. Sohieß das „Christ-

derWeihnachtsbote Porträt 9Auch Luther trank gerne ein BierFoto: Steidel2017 jährte sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal, 2016 feierte das deutsche Reinheitsgebot500. Geburtstag. Für die Brauereitochter, Hotelfachfrau und Kirchengemeinderätin Lotte Eckert aus Böblingenwaren beide Ereignisse gleichermaßen wichtig.Neulich, beim Fernsehgucken, hatsich Lotte Eckert richtig gefreut. Dakam ein Beitrag über die Geschichtedes Brauens, in dem erwähnt wurde,dass der Reformator Martin LutherBier-Trinker war. Noch kurz vor seinem berühmten Auftritt beim Reichstag in Worms soll er sich mit einemHumpen „Einbecker“ Mut angetrunken haben. Er konnte einfach nichtanders.„Der wusste, was er wollte“, lachtLotte Eckert. Seit sieben Jahren ist sieKirchengemeinderätin in der Stadt kirchengemeinde in Böblingen, erstim letzten Jahr wurde sie wiedergewählt. Jetzt, da die Kinder groß sind,hat sie Zeit sich zu engagieren: in derKirchengemeinde und seit ein paarJahren auch bei Brauereiführungen.Am 24. Dezember 1964 wurde LotteEckert in Böblingen als Lotte Dinkelaker geboren. Unter ihren Vorfahrenwaren Ärzte, Pfarrer und eben Bierbrauer. Einer der Bierbrauer, KarlGottlieb Dinkelacker, gründete 1823in Böblingen eine Brauerei. Als seineSöhne später getrennte Wege gingen, eröffnete einer von ihnen eineBrauerei in Stuttgart. Sie heißt nochheute „Dinkelacker“. Der andereführte den Familienbetrieb in Böblingen weiter, nahm das „c“ aus demNamen und nannte zur besseren Unterscheidung den Betrieb in „Schönbuch-Bräu“ um.Die Böblinger Schönbuch-Brauerei istdie Heimat von Lotte Eckert. Direktüber den Sudkesseln wuchs sie auf,ihr Bruder Werner Dinkelaker istheute einer der Geschäftsführer. Dasssie oder ihre Schwester selbst Brauerinnen werden könnten, war keinThema: „Für Mädchen kam das damals nicht in Frage.“Das ist umso erstaunlicher, wennman bedenkt, dass es zu LuthersZeiten die Frauen waren, die BierBier und Bibel schließen sich bei ihr nicht aus: Lotte Eckert von SchönbuchBräu in Böblingen.brauten. Ein Braukessel gehörte sogarzur Aussteuer dazu. Statt zum Kaffeekränzchen traf man sich zum Bierplausch. Lotte Eckert hat zunächstHotelfachfrau gelernt, war in derSchweiz und in Amerika. Eine tolleZeit und eine Lehre fürs Leben: „Seither weiß ich, dass nichts unmöglichist und dass es wichtig ist, über denTellerrand hinauszuschauen.“1992 kehrte sie zurück, heiratete undbekam zwei Kinder. Einer ihrer Söhnehat im Familienbetrieb Brauer undMälzer gelernt und engagiert sich inder kirchlichen Jugendarbeit. Ganzwie die Mutter also, der die Brauereiführungen genauso viel Spaß machen wie ihre Arbeit im Kirchengemeinderat. Ab und an zeigt LotteEckert auch den Ratskollegen dieBrauerei. Und sorgt dafür, dass es beiKirchenfesten nicht nur Trollingergibt, sondern auch frisches Bier vomErzeuger.www.braumanufaktur.com

10 derWeihnachtsbote PilgernSicher und geborgenDie Herberge ist ein ganz wesentlicher Teil der Pilgerreise. Das Haus St. Jakobus in Oberdischingen (Alb-Donau-Kreis)bietet seit vielen Jahren Menschen ein Quartier, die spirituell unterwegs sind.Schutz vor Wind und Wetter:Ein junges Paar kommt inder Pilgerherberge an.Mit Jakobus in der Mitte: Julia Kohler und einer ihrer pilgernden Gäste.und kann sich bei Bedarf mit ihnenaustauschen. „Viele suchen das Gespräch“, sagt Julia Kohler, „schätzenes, wenn sie Gleichgesinnte treffen“.Die Theologin und geistliche Begleiterin heißt die Gäste mit einem Teamvon Ehrenamtlichen willkommen.Viele von ihnen sind selbst Pilger, siekennen die Bedürfnisse derer, die amAbend bei ihnen eintreffen. Manchmal sind es Gruppen, 2020 jedochwaren es Corona bedingt eher Einzelgäste, die kamen. Nicht wenigemachten Station, weil es im Auslanddiesmal nicht möglich war.Alle werden in Oberdischingen persönlich begrüßt. Ein einfaches Zimmer wartet auf sie, ohne Fernseherund großartigen Komfort, die Duscheauf dem Gang. „Das reicht“, sagt Julia Kohler, „für Pilger genügt es,wenn es schlicht und sauber ist, mitWaschgelegenheit und einer Mahlzeit.“ Die wird gemeinsam im Speisesaal eingenommen, ein kaltes Abendbrot, vitaminreich, mit allem, was fürdie Grundversorgung wichtig ist. BeiGruppen wird schon auch mal ge-kocht.Die Umgebung lädt dazu ein, zurRuhe zu kommen. Einen schönenGarten gibt es, eine Hauskapelle, einen Gemeinschaftsraum. Wer redenwill redet, wer schweigen will,schweigt. „Wir fragen keinen, welcheKonfession er hat“, sagt Julia Kohler.Das Haus ist ökumenisch ausgerichtet, auch wenn sein Träger letztlichein Förderverein und die katholischeKirche sind.Pilgern auf den Jakobswegen ist beliebt. Zwar heißt das Ziel immerSantiago de Compostela, doch fürviele liegen die schönsten Momenteauf den vielen ruhigen AbschnittenAndreas Steideldavor. InformationenIn der Pilgerherberge Cursillo-HausSt. Jakobus in Oberdischingengibt es Einzel-, Doppel- undDreibettzimmer, Preisspannezwischen 19 und 40 Euro (Frühstück 6,50 Euro, Abendessen11 Euro): Telefon 07305/919575,www.haus-st-jakobus.deFotos: Haus St. JakobusUrsprünglich ist das Wort Herbergeein Begriff aus der Militärsprache. EinNachtlager für das „Heer“, ein Schutzraum, in dem sich die Menschen „geborgen“ fühlen können. Beide Wortesind darin enthalten. Auch wenn Pilger heute in vollkommen friedlicherAbsicht ihren Weg gehen – einenSchutzraum für die Nacht, in dem siesich gut aufgehoben fühlen, brauchen sie dennoch.Julia Kohler leitet seit vielen Jahrendas Cursillo-Haus St. Jakobus in Oberdischingen. Es liegt am Oberschwäbischen Jakobusweg, der Ulm mitdem Bodensee verbindet, das Einkehrhaus ist die Pilgerherberge amEnde der ersten Etappe. 25 Menschen finden dort Platz, zu Zeitenvon Corona sind es allerdings deutlich weniger.Sie betreten ein Haus, das ganz aufdiese Klientel eingestellt ist. Hierübernachten nur Pilger. Wer ankommt, trifft auf andere Menschen,die sich auf den Weg gemacht haben

derWeihnachtsbote Pilgern 11Wenn Wirtsleute pilgernSeit über 15 Jahren pilgern in Bayern Gastronomen auf heimischen Jakobswegen. Der Kirchliche Dienstim Gastgewerbe (KDG) nimmt sie mit auf den Weg. Eine ganz besondere Erfahrung.Fotos: KDG-BayernGehen und stehen. Den Geräuschender Natur lauschen. An einer schönenKapelle auf einer Wiese Rast machenund ein stilles Gebet sprechen. Gemeinsam singen und lachen, über Gottund die Welt reden und dann wiedereine ganze Weile nur schweigen.Seit 2004 brechen Männer und Frauenaus dem Gastgewerbe in Bayern mitDiakon Thomas Ruthenberg auf, umgemeinsam unterwegs zu sein. Beieinem Gastronomie-Gottesdienst inder Jakobskirche in Nürnberg wurdedie Idee geboren – in der Jakobs kirche,wo auch sonst!Seither sind viele Kilometer auf Jakobswegen zurückgelegt worden.Jakobswege, die fast allesamt aufheimischem Boden liegen. Es istdas B esondere an den bayerischenKDG-Pilgerangeboten, dass hier keiner sein Gepäck tragen muss. Eswird transportiert. Die, die täglichgroßen Belastungen ausgesetztsind, sie sollen selbst einmal entlastet werden.Zur Belohnung dürfen sie sichabends an einen gedeckten Tischsetzen und sich bedienen lassen. Esist der Tisch eines ganz normalenGasthauses, ein Einkehren bei Kollegen, ein Bewirten der Wirte, die sichnun selbst einmal verwöhnen lassendürfen. Bewusst hat man darauf verzichtet, kirchliche Tagungshäuserauszuwählen: Das Erlebnis Dorfgast-Himmlisch: Pilgern mit GastronomieKollegen.Es muss nicht immer Spanien sein: Auch das Pilgern auf bayerischen Jakobs wegen hat seine besonderen Reize.haus ist etwas ganz Elementares fürdie Menschen in der Gastronomie.Zwischenzeitlich waren die pilgerndenWirtsleute in Ostbayern,an der WürttembergischenGrenze, im Münchner Raum,am Bodensee, in der Schweizund in Tschechien. Am Anfang waren die Wirtsleuteganz unter sich, inzwischenkommen immer öfter auchPilger aus anderen Berufsgruppen dazu. Ein schönerAustausch. Neue Teilnehmersind also willkommen, egal welcherProfession oder Konfession sie angehören. „Wir haben doch alle nur ei-Romantisch: Rast an einem altenWegekreuz.nen Gott“, hat es einer mal auf denPunkt gebracht.Für viele ist die Woche des gemeinsamen Unterwegsseins einunverzichtbarer Bestandteil des eigenen L ebens.„Ein kleiner Urlaub für dieSeele“, wie es der christliche Liedermacher SiegfriedFietz einmal beschriebenhat. Ein Urlaub, bei demman sich erholt, obwohl eseigentlich auch anstrengend ist. Und bei dem manauftankt für den Alltag, der die Menschen in der Gastronomie mit ganzerKraft fordert. Andreas SteidelInformationenDie Pilgertouren des KDG Bayerndauern zumeist eine Arbeitswoche.Für 2021 sind mehrere Terminegeplant, auch Württemberger sindwillkommen. Das Gepäck wirdtransportiert, man übernachtetin Dorfgasthäusern. Näheres beiDiakon Thomas Ruthenberg,Telefon 0911-43100-308, E-Mail:[email protected], www.kda-bayern.de/dialog-mit-uns/kdg

Weihnachtsbote Zu guter LetzteBiblische MenükarteneWAS MUSS ICH LESEN . ?e. Johannes 14. wenn ich Sorgen habe . Psalm 91. wenn mir Gefahr droht .Psalm 139. Wenn Gott fern zu sein scheint .Jesaja 40. wenn ich mutlos bin .Hebräer 11. wenn mir der Glaube fehlt .Matthäus 6, 19-34. wenn ich Kummer habe .Psalm 23. wenn ich einsam bin .Psalm 51. wenn mich Schuld drückt .Johannes 15.e. wenn ich das Leben satt habPsalm 27. wenn ich enttäuscht bin . Psalm 4, 3-9. wenn ich nicht schlafen kann . Psalm 104, 23-24/33-34. wenn mir Freude fehlt .Matthäus, 5, 9 und 22. wenn ich zornig bin .Psalm 71. wenn das Alter naht .NützlicheInternet deblatt.dewww.dehoga-bw.de.?. die zehnGebote2. Mos. das Vate e 20r UnserMatthäus 6. die SeligpreisungMatthäus 5 en, 1-12. die BergpredigtMatthä. die „gold us 5-7ene RegMatthäus 7 el“, 12. den MissionsbefehlMatthä. den verl us 28, 19-20orenen SohnLukas 15. den barmherzigen SamariterLukas 10Ihr Ansprechpartnerfür den Boten:Andreas Steidel,Breite Heerstraße 74,75365 Calw,Telefon 0172-7260878,E-Mail: [email protected]ürgen Kehrer stellt sich vorSeit Anfang 2020 arbeite ich als Nachfolger von Wolfgang Fuchs bei denMissionarischen Diensten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.Ein Teil meines Dienstauftrags ist dieGeschäftsführung der Kirchlichen Dienste im Gastgewerbe/ MissionarischenDienste im Hotel und Gastgewerbe.Ein spannendes und herausforderndesArbeitsgebiet für mich. Schon als Jugendlicher habe ich mich für Hotelsund Tourismus interessiert. Und jetztmöchte ich noch mehr die Menschen,die im Hotel- und Gastronomiebereicharbeiten, kennenlernen und begleiten.Als Diakon, ehemaliger Jugendreferent, Coach und Organisationsentwickler bin ich gerne bereit vor Ort für Gespräche und Unterstützung. Interessiert bin ich auch an neuenProjekten und Ideen.WO FINDE ICHAm einfachsten erreichen Sie mich perMail [email protected] oderper Handy 0174-3274585. Ich freuemich auf den Kontakt mit Ihnen.Der Kirchliche Dienstim GastgewerbeSeit über 100 Jahren kümmert sich dieKirche um die Menschen im Gastgewerbe. Es begann mit den deutschenKellnern an der Côte d’Azur, für diespezielle Auslandspfarrer eingestelltwurden. Damit sie den Menschen etwas in die Hand geben konnten,druckten sie eine kleine Schrift: derVorläufer des heutigen Boten.Heute wie damals war er einer Gruppevon Menschen gewidmet, deren Arbeitszeiten es oft nicht erlauben, amnormalen Leben und den regulärenGottesdiensten teilzunehmen. In Württemberg gibt es sogar einen eigenenVerein, der sich dem Thema Glaubeund Gastronomie annimmt. Sein Nameist „Kirchliche Dienste im Gastgewerbe/Missionarischer Dienst im Hotel- undGaststättengewerbe (KDG/MDHG)“. Wersich dort engagieren will, ist willkommen: Telefon 0711-45804-9403, E-Mail:[email protected] für den BotenDer Bote ist auf Spenden angewiesen. Wer ihn unterstützen willund dafür sorgen, dass er auchin Zukunft erscheint, kann auffolgendes Konto spenden:Volksbank am Württemberg eGIBAN: DE97 6006 0396 0075 5240 07Fotos: Steidel, KDG Kehrer12 der

Tagungshotel Löwen in Wildberg: Wir haben viel investiert in den letz - ten Jahren und uns auf Tagungen spezialisiert. Eine gute Auslastung unter der Woche, ergänzt von den Familienfeiern am Wochenende. Beides ist nun ein Stück weit weg-gebrochen. Doch wir haben auch den Lockdown