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Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a000042Psychometrische Evaluation der deutschen Barratt Impulsiveness Scale - Kurzversion(BIS-15)Psychometric evaluation of the German Barratt Impulsiveness Scale - Short Version (BIS-15)Adrian Meulea, Claus Vögeleb, Andrea Küblera,caLehrstuhl für Psychologie I, Universität Würzburg, Marcusstr. 9-11, 97070 WürzburgbINSIDE Research Centre, Campus Walferdange, Universität Luxemburg, BP2, Route deDiekirch, 7201 Walferdange, LuxemburgcInstitut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie, Universität Tübingen,Gartenstr. 29, 72074 TübingenDanksagungDie Autoren danken Dr. Ullrich Preuss für die hilfreiche Unterstützung bei derZusammenstellung des Fragebogens.

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a000042AbstractImpulsivität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das mit schnellen, unüberlegten Handlungenohne Beachtung möglicher negativer Konsequenzen einhergeht. Eines der am weitestenverbreiteten Verfahren zur Erfassung von Impulsivität ist die Barratt Impulsiveness Scale(BIS-11; Patton, Stanford & Barratt, 1995). Es wurde gezeigt, dass die drei Faktoren nichtplanende, motorische und aufmerksamkeitsbasierte Impulsivität auch ausreichend gut miteiner verkürzten Form der BIS-11 erfasst werden können (BIS-15; Spinella, 2007). Dievorliegende Arbeit stellt diese Kurzversion der BIS-11 in einer deutschen Übersetzung vor.Reliabilität und Faktorstruktur des Fragebogens wurden in einer Stichprobe (N 752) vonüberwiegend Studierenden getestet. Die dreifaktorielle Struktur von Spinella (2007) konntebestätigt werden. Die interne Konsistenz war gut (Cronbach’s α .81). In einer zweitenStudie (N 51) zeigte sich konvergente Validität durch Zusammenhänge mit einem anderenImpulsivitätsmaß. Die BIS-15 empfiehlt sich durch ihre guten psychometrischen Kennwerteund ihre ökonomische Durchführbarkeit für die Erfassung von Impulsivität im deutschenSprachraum.Schlüsselwörter: Barratt Impulsiveness Scale, Kurzversion, Impulsivität, BIS-15

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a000042AbstractImpulsivity is a personality trait which is characterized by rapid, unplanned actions withoutregard to possible negative consequences. One of the most widely used methods for theassessment of impulsivity is the Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11; Patton et al., 1995).Previously it was shown that the three factors non-planning, motor, and attentionalimpulsivity can be measured sufficiently well with a short version of the BIS-11 (BIS-15;Spinella, 2007). The present study introduces this short version of the BIS-11 in German.Reliability and factor structure of this questionnaire were tested in a sample comprisingpredominantly university students (N 752). The three-factorial solution could be replicated.Internal consistency was good (Cronbach’s α .81). Associations with another impulsivityquestionnaire in a second study (N 51) proved convergent validity. The BIS-15 isrecommended for the assessment of impulsivity in German-speaking regions because of itsgood psychometric properties and economic procedure.Keywords: Barratt Impulsiveness Scale, Short version, Impulsivity, Impulsiveness, BIS-15

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000421EinführungUnter Impulsivität versteht man eine Prädisposition zu schnellen, unüberlegtenReaktionen auf internale oder externale Reize, ohne Beachtung negativer Konsequenzendieser Reaktionen für sich selbst oder andere (Moeller, Barratt, Dougherty, Schmitz & Swann,2001). Impulsive Handlungen können klinische Signifikanz erlangen, wenn sie besondersausgeprägt sind. So wird Impulsivität als ein Hauptmerkmal verschiedenster psychischerStörungen, wie Persönlichkeitsstörungen, Substanzabhängigkeit, Bipolarer Störung oder demAufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), angesehen (Moeller et al., 2001).Impulsivität ist ein uneinheitliches Konstrukt. Entsprechend gibt es verschiedeneHerangehensweisen, impulsives Verhalten zu erfassen, die untereinander jedoch nur moderatkorrelieren und somit unterschiedliche Facetten von Impulsivität erfassen (Enticott, Ogloff &Bradshaw, 2006; Lijffijt et al., 2004; Reynolds, Ortengren, Richards & de Wit, 2006).So werden zum einen häufig Aufgaben zur Antworthemmung undEntscheidungsfindung zur Messung von Impulsivität verwendet. Die eingeschränkteFähigkeit, eine bereits vorbereitete Reaktion zu unterdrücken (z. B. bei der Stop-SignalAufgabe, Logan & Cowan, 1984) oder die bevorzugte Wahl sofortiger, kleiner Belohnungenbzw. die Zurückweisung langfristiger, großer Belohnungen (z. B. beim Delay Discounting,Reynolds, 2006) werden dabei als impulsives Verhalten interpretiert.Zum anderen werden neben solch behavioralen Aufgaben vor allemSelbstauskunftsfragebögen eingesetzt. Auch innerhalb dieser subjektiven Maße spiegeln sichdie Facetten der Impulsivität wider, so beispielsweise bei den im deutschen Sprachraumgebräuchlichsten Messinstrumenten zur Erfassung einer impulsiven Persönlichkeit: demEysenck Impulsivitätsfragebogen I7 (Eysenck, Daum, Schugens & Diehl, 1990; Eysenck,Pearson, Easting & Allsopp, 1985), der UPPS Impulsive Behavior Scale von Whiteside(Schmidt, Gay, d’Acremont & Van der Linden, 2008; Whiteside & Lynam, 2001), denSensation Seeking-Skalen (SSS-V) von Zuckerman (Beauducel, Brocke, Strobel & Strobel,1999; Beauducel, Strobel & Brocke, 2003; Zuckerman, Eysenck & Eysenck, 1978) und derImpulsivitätsskala von Barratt (BIS-11; Patton, Stanford & Barratt, 1995; Preuss et al., 2008).Während Eysencks Fragebogen neben Empathie die Faktoren Impulsivität undAbenteuerlichkeit erfasst und Zuckermans Sensation Seeking sich aus den Faktoren Gefahrund Abenteuersuche, Enthemmung, Erfahrungssuche und Empfänglichkeit für Langeweilezusammensetzt, ergaben sich für die BIS-11 die Subskalen nicht-planende, motorische undaufmerksamkeitsbasierte Impulsivität (Patton et al., 1995). Trotz dieser Abweichungen findensich teilweise recht hohe Korrelationen zwischen diesen Messinstrumenten (Miller, Joseph &

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000422Tudway, 2004; Reynolds et al., 2006; Stanford et al., 2009). Whiteside und Lynam (2001)extrahierten aus einer Vielzahl von Impulsivitätsmaßen einzelne Faktoren und brachten siemit dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (FFM; McCrae & Costa, 1990) inVerbindung. Es ergaben sich zwei Faktoren, Mangel an Vorbedacht und Beharrlichkeit, dienegativ mit dem Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit, und die Faktoren SensationSeeking und Dringlichkeit, die positiv mit Extraversion bzw. Neurotizismuszusammenhingen. Die aus diesen Ergebnissen entstandene UPPS-Skala besteht aus 45 Itemsund ist somit ein recht langer Fragebogen. Aber auch bei dem I7 (54 Items), SSS-V (40Items), sowie der BIS-11 (30 Items) handelt es sich um eher ausführliche Messinstrumente.Die BIS-11 ist eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Impulsivitätsskala vonBarratt (1959), deren zugrundeliegendes Konzept war, Impulsivität und Ängstlichkeit mitpsychomotorischer Effizienz zu verknüpfen. Die dort verwendete erste Impulsivitätsskala vonBarratt wurde seither mehrfach revidiert (siehe Stanford et al., 2009 für einen Überblick). Inder aktuellen elften Version ergaben sich sechs Faktoren erster Ordnung: Aufmerksamkeit,motorische Impulsivität, Selbstkontrolle, kognitive Komplexität, Beharrlichkeit und kognitiveInstabilität (Patton et al., 1995). Diese sechs Faktoren konnten in der deutschen Version derBIS-11 nur unzureichend bestätigt werden (Preuss et al., 2008). Die Faktoren zweiterOrdnung erweisen sich in der Literatur jedoch größerer Beliebtheit: In einer aktuellenÜbersichtsarbeit konnte keine Studie identifiziert werden, die psychometrische Daten derFaktoren erster Ordnung der englischen Version berichtet (Stanford et al., 2009). Dieseumfassen wie bereits erwähnt drei Komponenten: die Unfähigkeit, Aufmerksamkeit zufokussieren oder sich zu konzentrieren (aufmerksamkeitsbasierte Impulsivität), Handeln ohnenachzudenken (motorische Impulsivität) und Mangel an Zukunftsorientierung oderVoraussicht (nicht-planende Impulsivität) (Patton et al., 1995). Parallel zur BIS-11 kursiert imenglischen Sprachraum eine inoffizielle Arbeitsversion (BIS-11-A; Barratt, 1994), die sichweiter als beabsichtigt verbreitete und aufgrund limitierter psychometrischer Entwicklungnicht verwendet werden sollte (siehe Stanford et al., 2009 für einen Überblick).Spinella (2007) präsentierte eine englischsprachige Kurzversion der BIS-11, die statt30 lediglich aus 15 Items besteht (BIS-15). Hierbei ist zu beachten, dass sich dieNamensgebung der BIS-11 aus der Anzahl der Revisionen (elfte Version) ableitet,wohingegen die BIS-15 nach der Anzahl ihrer Items benannt wurde. Obwohl drei Itemsanderen Faktoren als in der Originalversion zugeordnet wurden, konnten insgesamt die dreiFaktoren nicht-planende, motorische und aufmerksamkeitsbasierte Impulsivität bestätigtwerden. Die Gesamtwerte der BIS-15 korrelierten außerdem sehr hoch mit der Langversion (r

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000423 .94). Die BIS-15 kann somit als ökonomischere Alternative zur BIS-11 betrachtet werden,die vergleichbare psychometrische Kennwerte bietet.Aufgrund des Mangels kurzer Screening-Instrumente zur Messung von Impulsivität (s.o.) sowie der mangelhaften Reliabilität der deutschen BIS-11 bzw. fehlender Angaben zurFaktorstruktur zweiter Ordnung, war das Ziel der ersten Studie die Generierung einerdeutschen Übersetzung der Kurzversion (BIS-15) sowie die Analyse der rotiertenFaktorstruktur. Erwartet wurde eine vergleichbare dreifaktorielle Struktur wie bei Spinella(2007). Zur Bestimmung der Konstruktvalidität wurde eine zweite Studie durchgeführt, in derdie BIS-15 mit einem Maß für Impulsivität sowie einem Sensation-Seeking-Fragebogenkorreliert wurde.Studie 1MethodeVorgehen. Fachschaften und Fachschaftsinitiativen verschiedenster Fakultäten wurdenan mehreren deutschen Universitäten per E-Mail im Rahmen einer Onlinebefragung zumThema „Esssucht“ (siehe Meule, Vögele & Kübler, in Druck) angeschrieben. DieInternetadresse der Onlinebefragung wurde dann über die jeweiligen E-Mail-Verteilergesendet. Als Anreiz wurde unter allen Teilnehmern, die die Befragung vollständig ausfüllten,fünf Mal 100.- Euro verlost. Die gesamte Befragung dauerte ungefähr 25 Minuten. DieEinstellungen wurden so vorgenommen, dass jede Frage beantwortet werden musste, um zurnächsten Frage zu gelangen.Stichprobe. Die Studien-Webseite wurde insgesamt 1255 Mal aufgerufen. Davonfüllten N 752 Teilnehmer das Fragebogenset vollständig aus (59.9 %); 77.4 % derTeilnehmer waren Frauen. Der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) betrug 22.3 (SD 3.6). Das mittlere Alter betrug M 23.1 Jahre (SD 3.5). Fast alle Teilnehmer warendeutscher Nationalität (95.6 %) oder aus dem europäischen Ausland (2.8 %); 94.0 % warenStudierende.Beschreibung der BIS-15. Die BIS-15 wurde von Spinella (2007) als Kurzversion derBIS-11 (Patton et al., 1995) zur Erfassung von impulsiven Persönlichkeitszügenvorgeschlagen. Im Gegensatz zum Original beinhaltet diese nur 15 statt 30 Items.Faktorenanalytische Berechnungen konnten die dreifaktorielle Struktur des BIS-11, bestehendaus motorischer Impulsivität, nicht-planender Impulsivität und aufmerksamkeitsbasierterImpulsivität, bestätigen. Drei Items wurden dabei anderen Faktoren zugeordnet als imOriginal, was inhaltlich jedoch durchaus sinnvoll ist (siehe Spinella, 2007). So wurden zweiItems, die ursprünglich auf dem Faktor nicht-planende Impulsivität lagen, den Faktoren

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000424motorische („Ich sage Dinge ohne darüber nachzudenken.“) bzw. aufmerksamkeitsbasierteImpulsivität („Mir wird beim Lösen von Denkaufgaben schnell langweilig.“) zugeordnet.Außerdem lud „Ich plane für die Zukunft.“ auf dem Faktor nicht-planende statt motorischeImpulsivität. Die von Spinella (2007) vorgeschlagene Kurzversion setzt sich einerseits ausItems der originalen BIS-11 zusammen, andererseits beinhaltet sie auch zwei Items aus derBIS-11-A (Barratt, 1994). Entsprechend wurde für 13 Items der deutschen BIS-15 die bereitsbestehende Übersetzung der BIS-11 von Preuss et al. (2008) verwendet. Die restlichen beidenItems („I am restless at lectures or talks.“, „I plan for the future.“) ähneln zwar Items aus derBIS-11 („I am restless at the theater or lectures“, „I am future oriented.“), wurden aberdennoch von den Autoren (mit Absprache eines bilingualen Sprechers) neu übersetzt, um einehöchstmögliche Vergleichbarkeit mit der Version nach Spinella (2007) zu erzielen (sieheAnhang). Die Anordnung der einzelnen Items wurde entsprechend der Reihenfolge in derBIS-11 gewählt. Das Antwortformat besteht aus einer vierstufigen Skala (selten/nie 1,gelegentlich 2, oft 3, fast immer/immer 4). Die BIS-15-Gesamtwerte können somitzwischen 15 und 60 variieren.Datenanalyse. Zur Bestimmung der Faktorenstruktur wurde entsprechend demVorgehen von Spinella (2007) eine Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotationdurchgeführt. Die Extraktion der Faktoren richtete sich nach dem Eigenwertkriterium 1. ZurÜberprüfung der Vergleichbarkeit der Faktorladungen zu Spinella (2007) wurde derKongruenzkoeffizient von Barrett (2006) mit dem Programm Orthosim-2 berechnet. Im Fallesubstantiell korrelierender Subskalen wurde zusätzlich eine oblique Rotation durchgeführt(Promax). Als Reliabilitätsmaß wurde die interne Konsistenz (Cronbachs alpha) der BIS-15Subskalen und des Gesamtwertes berechnet. Als Itemkennwerte wurden Itemschwierigkeitenund Trennschärfen herangezogen. Im Falle einer Abweichung von der Normalverteilungwurden für inferenzstatistische Tests und Korrelationen nicht-parametrische Verfahrengewählt (Spearmans Rangkorrelation, Mann-Whitney-U-Test).ErgebnisseDeskriptive Daten. Deskriptive Statistiken für die Subskalen und den Gesamtwert derBIS-15 sind in Tabelle 1 dargestellt. Die Verteilung der Item- und Subskalenwerte sowie desGesamtwertes wichen signifikant von der Normalverteilung ab (Kolmogorov-Smirnov-Test,alle p .001). Es gab keinen Zusammenhang des BIS-15-Gesamtwertes mit Alter (r ρ -.06,ns) und keine Geschlechtsunterschiede (U 45216.0, ns). Dahingegen korrelierte das Ausmaßan Impulsivität gering positiv mit dem Body-Mass-Index (BMI; r ρ .11, p .01) und

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000425Raucher hatten einen signifikant höheren BIS-15-Gesamtwert als Nicht-Raucher (U 26962.5, p .001). Tabelle 1 hier einfügen Faktorstruktur, Reliabilität und Itemkennwerte. Die faktorenanalytische Berechnungmit Hauptkomponentenanalyse und Varimax-Rotation konnte die dreifaktorielle Struktur derBIS-15 von Spinella (2007) bestätigen (Tab. 2). Die Eigenwerte der Faktoren für dieunrotierte Lösung betrugen 4.36, 1.91 und 1.69 (alle anderen 1). Die Extraktion dreierFaktoren wurde weiterhin durch eine Parallelanalyse nach Horn (1965) gestützt. Abbildung 1zeigt, dass lediglich die Eigenwerte der ersten drei Faktoren größer als die Eigenwerte desZufallsdatensatzes sind. Der Vergleich der Faktorladungen nach Varimax-Rotation (Tab. 2)mit Spinella (2007) erbrachte einen sehr hohen Kongruenzkoeffizienten für die gesamteLösung (.97). Die Kongruenzkoeffizienten der einzelnen Items variierten zwischen .9 und 1.0(Tab. 2). Die Faktorladungen der englischen und deutschen BIS-15 sind somit fast identisch(Barrett, 2006). Abbildung 1 hier einfügen Tabelle 2 hier einfügen Tabelle 3 hier einfügen Es zeigten sich signifikante Korrelationen der BIS-15-Subskalen (Tab. 3). Einedaraufhin durchgeführte oblique Rotation (Promax; Kappa 4) führte zu einer vergleichbarenFaktorstruktur wie nach orthogonaler Rotation (Tab. 4). Die drei Faktoren klärten zusammen53.0 % der Gesamtvarianz auf. Jede Subskala wird durch jeweils fünf Items erfasst.Eine Reliabilitätsanalyse zeigte ein zufriedenstellendes Cronbachs alpha für denGesamtwert der Skala sowie für die Subskala nicht-planende Impulsivität, während dieIndizes für die anderen beiden Subskalen etwas geringer ausfielen (Tab. 1). DieItemschwierigkeiten (M 1.77-2.35) und Trennschärfen (r itc .21-.58) der einzelnen Itemserwiesen sich als konsistent (siehe Anhang). Tabelle 4 hier einfügen

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000426Studie 2MethodeVorgehen. Es wurde eine zweite Onlinebefragung durchgeführt, deren Web-Adressewiederum über E-Mail-Verteiler an Studierende, aber auch an Beschäftigte der UniversitätWürzburg verbreitet wurde.Stichprobe. Es nahmen insgesamt N 51 Personen teil. Wiederum war derFrauenanteil der Stichprobe sehr hoch (80.4 %). Verglichen mit Studie 1 nahm ein breiteresAltersspektrum teil. Das mittlere Alter betrug M 30.0 Jahre (SD 9.8). Entsprechend warder Anteil an Studierenden mit 47.1 % geringer als in Studie 1.Messinstrumente. Es wurden die Sensation-Seeking-Skalen - Form V (SSS-V;Beauducel et al., 2003; Zuckerman et al., 1978) und die UPPS Impulsive Behavior Scale(UPPS; Schmidt et al., 2008; Whiteside & Lynam, 2001) als Validitätsmaße verwendet.Die SSS-V erfasst „die Tendenz, vielfältige, neue, komplexe und intensiveErfahrungen zu machen und die Bereitschaft, für diese Erfahrungen physische, soziale, legaleund finanzielle Risiken einzugehen“ (Beauducel et al., 2003, S. 61). Der Fragebogen umfasstdie vier Subskalen Thrill and Adventure Seeking, Disinhibition, Experience Seeking undBoredom Susceptibility. Die interne Konsistenz der Subskalen reicht von α .46-.80 undbeträgt α .82 für die gesamte Skala (Beauducel et al., 2003).Die UPPS dient der Erfassung von Impulsivität anhand der Subskalen Urgency, Lackof Premeditation, Lack of Perseverance und Sensation Seeking. Diese weisen eine interneKonsistenz von α .80-.85 auf (Schmidt et al., 2008).Die beiden Konstrukte Sensation Seeking und Impulsivität überlappen sich.Beispielsweise wurden teilweise hohe Korrelationen zwischen dem SSS-V und dem I7gefunden (Beauducel et al., 1999). Häufig wird Sensation Seeking auch als ein Bestandteilimpulsiven Verhaltens angesehen. Entsprechend bildet Sensation Seeking eine Subskala desUPPS (s. o.). Es gibt aber auch Hinweise, dass Sensation Seeking zwar ein verwandtes, aberdennoch distinktes Konstrukt im Vergleich zu Impulsivität darstellt. Beispielsweise findensich nur geringe Korrelationen zwischen der BIS-11 und den SSS-V (Preuss et al., 2008;Stanford et al., 2009). Weiterhin weisen beide Konstrukte eine unterschiedliche Entwicklungüber die Lebensspanne auf (Steinberg et al., 2008) oder zeigen differenzierte Zusammenhängezu Alkoholkonsum und alkoholbezogenen Problemen (Magid, MacLean & Colder, 2007)oder anderen Psychopathologien (Kämpfe & Mitte, 2009).

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000427Datenanalyse. Aufgrund nicht-normalverteilter Daten wurden SpearmansRangkorrelationen zwischen den Fragebögen berechnet. Da konsistent positive Korrelationenzwischen der BIS-15 und beiden Validierungsinstrumenten erwartet wurden, wurden dieseeinseitig getestet.ErgebnisseDer BIS-15-Gesamtwert zeigte eine mittlere Korrelation mit dem SSS-V-Gesamtwert(r ρ .32, p .05) und der Subskala Boredom Susceptibility (r ρ .26, p .05). DieseZusammenhänge waren im Wesentlichen auf die Subskala motorische Impulsivitätzurückzuführen, die ebenfalls mit Thrill and Adventure Seeking korrelierte (Tab. 5).Desweiteren korrelierte aufmerksamkeitsbasierte Impulsivität mittelhoch mit BoredomSusceptibility (r ρ .25, p .05).Es ergaben sich mittlere bis hohe Zusammenhänge zwischen dem BIS-15-Gesamtwertund allen UPPS-Subskalen und dem UPPS-Gesamtwert (r ρ .67, p .001). Die jeweilshöchsten Korrelationen zwischen den Subskalen fanden sich zwischenaufmerksamkeitsbasierter Impulsivität und Urgency bzw. Lack of Perseverance und zwischenmotorischer Impulsivität und Lack of Premeditation bzw. Sensation Seeking (Tab. 5). Tabelle 5 hier einfügen DiskussionDie vorliegende Untersuchung hatte zum Ziel, die psychometrischen Kennwerte derKurzversion der BIS-15 für den deutschen Sprachraum darzustellen und zu validieren. Dievon Spinella (2007) gefundene dreifaktorielle Struktur konnte bestätigt werden. Ein Vergleichder Faktorladungen zeigte eine fast identische Entsprechung zur englischsprachigen Version.Demnach wird auch durch lediglich 15 der 30 Items der BIS-11 (bzw. BIS-11-A) Impulsivitätdurch die drei Faktoren nicht-planende, motorische und aufmerksamkeitsbasierte Impulsivitäterfasst. Die interne Konsistenz zeigte sich jedoch nur für die Subskala nicht-planendeImpulsivität und den Gesamtwert als gut. Für die Subskalen motorische undaufmerksamkeitsbasierte Impulsivität fiel Cronbachs alpha eher niedrig aus (Tab. 1).Insgesamt empfiehlt sich daher, den Gesamtwert zu betrachten.Die Konstruktvalidität der BIS-15 wurde durch positive Korrelationen mit anderenFragebögen zur Erfassung impulsiven Verhaltens bestätigt, wobei der Fragebogen stärker mitder UPPS Impulsive Behavior Scale als mit den Sensation-Seeking-Skalen assoziiert war. Dieeinzige BIS-15-Subskala, die mit dem SSS-V-Gesamtwert korrelierte, war motorische

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000428Impulsivität. Dies lässt sich dadurch erklären, dass sowohl diese Subskala als auch SensationSeeking behaviorale Aspekte von Impulsivität erfassen. Kognitive Aspekte von Impulsivität,wie eine verminderte Konzentrationsleistung, werden durch die BIS-15-Subskalaaufmerksamkeitsbasierte Impulsivität sowie die SSS-V-Subskala Boredom Susceptibilityerfasst. Entsprechend korrelierten diesen Subskalen positiv. Die vielen Nullkorrelationenzwischen BIS-15 und SSS-V entsprechen Befunden zur Verschiedenheit beider Konstrukte.Beispielsweise luden in der Untersuchung von Whiteside und Lynam die Skalen der BIS-11und der SSS-V auf unterschiedlichen Faktoren (Whiteside & Lynam, 2001). Impulsivität führtnicht immer zu stimulierenden, belohnenden Erfahrungen, während Sensation Seeking nichtimmer impulsiv sein muss und weniger mit negativen Konsequenzen einhergeht.Beispielsweise war Sensation Seeking in der Studie von Magid und Kollegen (2007) mitAlkoholkonsum assoziiert, der aus Gründen positiver Verstärkung getrunken wurde.Impulsivität hingegen war stärker mit Trinken als Bewältigungsstrategie undalkoholbezogenen Problemen verbunden. Ein weiteres Beispiel ist der negativeZusammenhang von Sensation Seeking mit Depressivität und Angst, während andere Aspektevon Impulsivität mit erhöhter Depressivität und Angst assoziiert sind (Kämpfe & Mitte,2009).Der BIS-15-Gesamtwert war mit allen Subskalen der UPPS und deren Gesamtwertmittel bis stark korreliert. Der höchste Zusammenhang mit Urgency zeigte sich mitaufmerksamkeitsbasierter Impulsivität. Lack of Premeditation korrelierte am stärksten mitmotorischer Impulsivität. Diese Befunde stimmen mit den faktorenanalytischenBerechnungen von Whiteside und Lynam (2001) überein, bei denen diese beiden Subskalender BIS-11 auf eben diesen Faktoren der UPPS luden. Die Sensation Seeking - Subskala derUPPS war, wie schon die SSS-V, am stärksten mit motorischer Impulsivität assoziiert. DieUPPS-Subskala Lack of Perseverance bezieht sich auf die Fähigkeit, eine Aufgabe, dielangweilig oder schwierig sein könnte, konzentriert bearbeiten zu können. Mit dieser warlediglich aufmerksamkeitsbasierte Impulsivität korreliert. Die Ähnlichkeit dieser beidenSkalen zur Erfassung kognitiver Aspekte der Impulsivität zeigt sich beispielsweise in demBIS-15-Item „Mir wird beim Lösen von Denkaufgaben schnell langweilig.“ (siehe Anhang).Ein Item ist sogar in beiden Skalen enthalten.1In Studie 1 zeigte sich ein positiver Zusammenhang des BIS-15-Gesamtwertes mitdem BMI. Außerdem wiesen Raucher höhere Impulsivitätswerte auf als Nicht-Raucher. DieseZusammenhänge entsprechen Befunden, die Substanzabhängigkeit und exzessivesEssverhalten mit impulsiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen in Verbindung

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a0000429bringen (Dick et al., 2010; Guerrieri, Nederkoorn & Jansen, 2008; Perry & Carroll, 2008).Entsprechend wiesen auch alkoholabhängige Patienten höhere BIS-11-Werte auf als eineKontrollgruppe (Preuss et al., 2008). Die BIS-15 könnte somit ein wichtiges Instrument in derweiteren Erforschung von Impulsivität als zentralem ursächlichem und aufrechterhaltendemFaktor eines möglichen Suchtsyndroms (Shaffer et al., 2004) darstellen.Zusammenfassend zeichnet sich die BIS-15, also die deutsche Kurzversion der BIS11, durch gute psychometrische Kennwerte aus und kann äquivalent zur englischsprachigenVersion im deutschsprachigen Raum verwendet werden. Die Vergleichbarkeit zurLangversion ist allerdings nur bedingt gegeben, da drei Items anderen Subskalen zugeordnetwurden (siehe Einleitung). Weitere Einschränkungen betreffen die Zusammensetzung derStichproben, die vor allem in Studie 1 fast ausschließlich aus Studierenden bestand. Aufgrunddieser geringen Variation von Bildungsgrad und Alter war es nicht möglich, die von Spinella(2007) gefundene Abnahme der Impulsivitätswerte mit zunehmendem Alter und Bildungsgradzu bestätigen. Daher können die Ergebnisse nicht auf Menschen höheren Alters odergeringerer Bildung übertragen werden. Desweiteren nahmen größtenteils Frauen an der Studieteil. Ein Grund hierfür könnte die ursprüngliche Ausschreibung der Befragung als Studie zumThema Esssucht und die stärkere Affiliation von Frauen zu diesem Thema sein. Dies reduziertdie Aussagekraft bezüglich männlicher Stichproben. Schließlich sei noch erwähnt, dass dieOnlinebefragung so programmiert wurde, dass jedes Item beantwortet werden musste, um zurnächsten Frage zu gelangen. Dieses Vorgehen könnte die Qualität der Informationen durchReaktanz von Teilnehmern, die eventuell nicht alle Fragen beantworten wollten,beeinträchtigt haben (Reips, 2002). Da sich im Allgemeinen die Ergebnisse aus Papier-undBleistift-Verfahren und Online-Befragungen aber nicht unterscheiden (z. B. Miller et al.,2002) und sich die Faktorladungen zu Spinella (2007) ebenfalls entsprachen, könnenVerzerrungen durch die Methode der Onlinebefragung weitestgehend ausgeschlossen werden.Wir schlussfolgern, dass sich die BIS-15 durch ihre guten psychometrischenKennwerte sowie ihrer kurzen Durchführbarkeit für die Erfassung von Impulsivität instudentischen Stichproben eignet. Zukünftige Studien zur Verbesserung der Aussagekraft derBIS-15 sollten sich der langfristigen Entwicklung der BIS-15-Werte (Test-Retest-Reliabilität),deren Verteilung in einer breiteren Stichprobe und der Verwendung behavioralerValiditätsmaße widmen.

Accepted author manuscriptPublished in final edited form in Diagnostica, 57(3), pp. 126-133, doi: 10.1026/0012-1924/a00004210LiteraturBarratt, E. S. (1959). Anxiety and impulsiveness related to psychomotor efficiency.Perceptual and Motor Skills, 9(2), 191-198.Barratt, E. S. (1994). Impulsiveness and aggression. In J. Monahan & H. J. Steadman (Eds.),Violence and mental disorder: Developments in risk assessment (pp. 61-79). Chicago:University of Chicago Press.Barrett, P. T. (2006). Orthosim-2 [Computer software]. Verfügbar unter:http://www.pbarrett.net/orthosim2.htm [20.07. 2010].Beauducel, A., Brocke, B., Strobel, A. & Strobel, A. (1999). Construct validity of sensationseeking: A psychometric investigation. Zeitschrift für Differentielle und DiagnostischePsychologie, 20(3), 155-171.Beauducel, A., Strobel, A. & Brocke, B. (2003). Psychometrische Eigenschaften und Normeneiner deutschsprachigen Fassung der Sensation Seeking-Skalen, Form V. Diagnostica,49(2), 61-72.Dick, D. M., Smith, G., Olausson, P., Mitchell, S. H., Leeman, R. F., O'Malley, S. S. et al.(2010). Understanding the construct of impulsivity and its relationship to alcohol usedisorders. Addiction Biology, 15, 217-226.Enticott, P. G., Ogloff, J. R. P. & Bradshaw, J. L. (2006). Associations between laboratorymeasures of executive inhibitory control and self-reported impulsivity. Personalityand Individual Differences, 41, 285-294.Eysenck, S. B. G., Daum, I., Schugens, M. M. & Diehl, J. M. (1990). A cross-cultural studyof impulsiveness, venturesomeness and empathy: Germany and England. Zeitschriftfür Differentielle und Diagnostische Psychologie, 11(4), 209-213.Eysenck, S. B. G., Pearson, P. R., Easting, G. & Allsopp, J. F. (1985). Age norms forimpulsiveness, venturesomeness and empathy in adults. Personality and IndividualDifferences, 6(5), 613-619.Guerrieri, R., Nederkoorn, C. & Jansen, A. (2008). The effect of an impulsive personality onovereating and obesity: Current state of affairs. Psychological Topics, 17(2), 265-286.Horn, J. L. (1965). A rationale and test for the number of factors in factor analysis.Psychometrica, 30(2), 179-185.Kämpfe, N. & Mitte, K. (2009). A German validation of the UPPS Impulsive Behavior Scale:Further evidence for a four-dimensional model of impulsivity. European Journal ofPsychological Assessment, 25(4), 252-259.

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extrahierten aus einer Vielzahl von Impulsivitätsmaßen einzelne Faktoren und brachten sie mit dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (FFM; McCrae & Costa, 1990) in Verbindung. Es ergaben sich zwei Faktoren, Mangel an Vorbedacht und Beharrlichkeit, die negativ mit dem Persönlichkeitsmerkmal Gewiss