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technische schaftenINKLUSIV AMBALL BLEIBENEine Handlungsempfehlung zur Gestaltung und Vermittlungvon Inklusion in außerschulischen Bildungsangebotenam Beispiel des Konzepts „Lernort Stadion“

GrußwortDie Bundesliga-Stiftung will mit ihrem Engagement „Chancen schaffen“ – und das insbesondere für Kinder undJugendliche. Chancen können dann entstehen, wenn Teilhabe möglich ist, Begegnung stattfindet und die Stärkenjedes Einzelnen in den Blick genommen werden. Das Projekt„Lernort Stadion“, das in der vorliegenden Handlungsempfehlung als Praxisfeld herangezogen wird, ist einsehr gutes Beispiel. 2009 wurde es von der Robert BoschStiftung als neuartiger Ansatz der politischen Bildunginitiiert. 2010 ist die Bundesliga-Stiftung als Juniorpartnerin die Förderung eingestiegen – eine gemeinschaftlicheFörderung, die schönerweise bis heute andauert.Lernort Stadion will demokratische Kompetenzen stärken,Jugendliche zum Perspektivwechsel anregen und Vorurteile abbauen. Und: Lernort Stadion will seine politischenBildungsangebote so gestalten, dass sie JugendlichenSpaß machen und ihr Interesse wecken. Daher verlegt dasProjekt die Workshops direkt ins Fußballstadion und suchtbei den politischen Themen immer auch den Fußballbezug.Dass das wunderbar gelingt, zeigen sieben Jahre Projekterfahrung, auf lange Sicht ausgebuchte Veranstaltungen,die bestärkenden Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und die äußerst positiven Rückmeldungen allerBeteiligten.Seit 2014 geht Lernort Stadion nun einen Schritt weiterund richtet sich verstärkt inklusiv aus. Die bundesweitzwölf Projektstandorte beschäftigen sich mit der Frage,wie sie ihre Angebote so konzipieren können, dass Jugendliche mit und ohne Behinderung gleichermaßen teilnehmen können beziehungsweise wie das Thema Inklusionauch inhaltlich zu behandeln ist. Inhaltlich und finanziellwird dieser Prozess von der Aktion Mensch unterstützt,die im Themenfeld Inklusion über eine große Expertise verfügt. Ein gutes Gefühl, so einen kompetenten Partner anunserer Seite zu wissen.Gemeinsam haben wir uns entschieden, den Prozess derinklusiven Öffnung auch wissenschaftlich begleiten zulassen. Zum einen erfolgt das anhand eines zweijährigenEvaluationsvorhabens des Dresdner Zentrums für inklusive politische Bildung. Zum anderen freuen wir uns, zehnStudierenden der Rehabilitationspädagogik an der TUDortmund ein spannendes Praxisfeld für ihr einjährigesProjektstudium eröffnet zu haben und die vorliegende Publikation finanziell zu ermöglichen.Unser Dank geht dabei auch an Professor Ingo Bosse undStefan Schmidt von der TU Dortmund, die die Zusammenarbeit wunderbar unterstützt und begleitet haben. Denbeteiligten Lernorten sei hiermit ebenfalls ausdrücklichfür ihre Bereitschaft gedankt, sich an diesem Vorhabenzu beteiligen, die eigenen Projekttüren zu öffnen und Anregungen aufzunehmen. Wir freuen uns, mit dieser Handlungsempfehlung weitere Impulse für die Arbeit in denLernorten zu geben, die möglicherweise auch für andereaußerschulische Bildungsprojekte Anstoß sind.Wir hoffen, dass Sie, liebe Studierende, eine spannendeund motivierende Zeit mit den Machern von Lernort Stadion hatten, viel voneinander lernen und vielleicht eine ganzneue Seite des Fußballs erleben konnten. Herzlichen Dankfür Ihr Engagement und alles Gute für Ihren weiteren Weg.Wir wünschen eine anregende Lektüre.Stefan KieferVorstandsvorsitzender der Bundesliga-StiftungGrußwort 3

VorwortDiese Handlungsempfehlung ist im Rahmen des Projektstudiums des Studiengangs „Bachelor of Arts Rehabilitationspädagogik“ der Technischen Universität Dortmundentstanden. Bei dem Projektstudium handelt es sich umein einjähriges Format, das im Zentrum des dritten Studienjahres steht. Es ist so angelegt, dass die Studierendenunter wissenschaftlicher Begleitung in Projektgruppeneigenverantwortlich eine selbst ausgewählte Projektaufgabe von der Planung bis hin zur Auswertung und Präsentation durchführen. Unter dem Projektdach „Teilhabe anBildung und am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport“ haben sich im Sommer 2015 zehn Studierende zu dem Thema „Teilhabemöglichkeiten und Zugängeim und durch Sport“ zusammengefunden. Diese Projektgruppe hat die vorliegende Handlungsempfehlung im Zeitraum von Oktober 2015 bis Juni 2016 erarbeitet.Als Praxisbeispiel diente den Studierenden das Projekt„Lernort Stadion“, mit dessen Verantwortlichen währenddes gesamten Prozesses ein steter Dialog geführt und engkooperiert wurde. Lernort Stadion ist ein Konzept, das diePopularität des Fußballs nutzt, um Kinder und Jugendliche an Themen der politischen Bildung heranzuführenund sie dafür zu sensibilisieren. Ob Presseraum, Umkleidekabine oder VIP-Bereich: Die Bildungsangebote findendirekt in den Räumlichkeiten der jeweiligen Fußballstadienbeziehungsweise im Stadionkontext statt. Die inhaltlicheAufarbeitung unterschiedlicher politischer Themen erfolgtdurch pädagogische Fachkräfte in den einzelnen Lernorten. Derzeit gibt es bundesweit zwölf Standorte, meist inAnbindung an die lokalen Fanprojekte, die sich 2014 zueinem Dachverband „Lernort Stadion e.V.“ zusammengeschlossen haben.Die Projektgruppe hatte die Möglichkeit, die Arbeit derLernorte kennen zu lernen, den Prozess der inklusivenÖffnung der Lernorte ein Stück weit zu begleiten und Anregungen zu geben, wie Inklusion aufgegriffen und weiterführend behandelt werden kann.Inklusion ist ein Prozess, der noch nicht vollständig in derGesellschaft umgesetzt, aber bereits seit 2009 gesetzlichverankert ist. Grundlage hierfür ist die Unterzeichnungder Konvention der Vereinten Nationen für die Rechte vonMenschen mit Behinderung durch die deutsche Bundesregierung. Die Umsetzung der sogenannten UN-Behindertenrechtskonvention ist eine Herausforderung, da sie ein4 Vorwortgrundlegendes Umdenken erfordert und sich das generelle Verständnis von Diversität wandeln muss. Sie betrifftjede Person in der Gesellschaft, da sie gleiche Rechte undTeilhabe für alle Menschen vorsieht.Durch das Studium der Rehabilitationspädagogik hat dieProjektgruppe Erfahrungen mit dem Themenfeld der Inklusion und kann Grundlagen einbringen, um für LernortStadion e.V. zu forschen und den Inklusionsprozess inden Lernorten wissenschaftlich anzustoßen. Direkte Ansprech- und Kooperationspartner waren die Lernorte inBielefeld, Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen, die derProjektgruppe ihrerseits die Möglichkeit gaben, zu hospitieren, um sich einen Überblick über bisherige Angebote,Inhalte und generelle Arbeitsweisen zu verschaffen. Diezuständigen Lehrenden blickten der Thematisierung vonInklusion sehr offen entgegen und sicherten ihre Unterstützung von Anfang an zu.Dem wissenschaftlichen Prozess legte die Projektgruppefolgende Forschungsfrage zugrunde: „Wie lässt sich Inklusion in der außerschulischen politischen Bildung Kindernund Jugendlichen, am Beispiel des Konzepts ‚Lernort Stadion’, vermitteln?“Um diese Frage bestmöglich zu beantworten, stellte sichim Laufe des Arbeitsprozesses heraus, dass eine Handlungsempfehlung den Erwartungen der Lernorte und derStudierenden gerecht werden könnte. Die Handlungsempfehlung richtet sich an Lehrende im Bereich der außerschulischen politischen Bildung, die mithilfe dieser Handlungsempfehlung das Thema Inklusion nach ihren Bedürfnissenund Möglichkeiten in einem flexiblen Rahmen in ihre Lernangebote einbringen können. Sie bietet einen Überblick,wie Inklusion vermittelt werden kann, wie Inhalte inklusivgestaltet werden können, und zeigt Möglichkeiten auf, umauf unterschiedliche Anforderungen individuell und flexibel zu reagieren.Wir bedanken uns bei allen Kooperationspartnern und derUniversität für die erfolgreiche Zusammenarbeit und dieUnterstützung.Wir wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung!Imke Arlitt, Julia Böhmer, Sebastian Borchers, MiriamHoffmann, Linda Ischen, David Jentsch, Theresa Klaus,Hendrike Knust, Calita Mona und Hannes Wichmann

ImpressumRedaktion & Grafiken:InhaltsverzeichnisGrußwort3Vorwort4Julia BöhmerEinleitung6Sebastian BorchersDie Lernorte stellen sich vor7Projektgruppe:Imke ArlittMiriam HoffmannWas ist Inklusion?10Anstoß zur Handlungsempfehlung13Theresa KlausVielfalt - Für alle ist Platz im Team14Hendrike KnustBarrierefreiheit - Teilhabe ohne Hürden15Lernumgebung treffsicher gestalten19Auf die Taktik kommt es an23Mit Motivation zum Ziel24Mach Lernen zum Heimspiel24Durch Stärken und Kompetenzen siegen25Lehrpersonen - Mit dem richtigen Coaching zum Erfolg26Reflexion - Nach dem Spiel ist vor dem Spiel27Schlusswort28Beispielübungen - Praktisch lernt es sich am besten29Weiterführende Informationen und Kontaktmöglichkeiten45Literaturangaben46Linda IschenDavid JentschCalita MonaHannes Wichmanngefördert durch:Gestaltung:Fotos:Thilo SchmülgenTheodor BarthGuido KirchnerInhaltsverzeichnis 5

EinleitungDie vorliegende Handlungsempfehlung fasst die wichtigsten Aspekte zur Gestaltung von inklusiven Lernsituationen zusammen. Sie beinhaltet umfangreiche Informationen zum Thema Inklusion sowie Anregungen zurUmsetzung und einige konkrete Praxisbeispiele.Sie bezieht sich auf die Zielgruppe von Lernort Stadion,das heißt, insbesondere Kinder und Jugendliche, die dieKlassenstufen 5 bis 10 besuchen, ist jedoch auch über dieLernorte hinaus in der praktischen Arbeit mit Jugendgruppen anwendbar.Das Ziel der Handlungsempfehlung ist es, die Mitarbeitenden der Lernorte zu schulen, sodass es ihnen gelingt,die Lernangebote so zu gestalten, dass sie unabhängigvon eventuellen Beeinträchtigungen zugänglich sind. Siebeinhaltet dafür Hinweise zum Umgang mit heterogenenGruppen sowie praktische Beispiele und Methoden, diein den Lernorten umgesetzt werden können. So kann sieeinen Beitrag leisten, den Prozess der Inklusion in der Gesellschaft anzustoßen.Hier wird das Wichtigste nocheinmal zusammengefasstDie Inhalte der Handlungsempfehlung basieren auf denklassischen Lerntheorien (Behaviorismus, Kognitivismus,Konstruktivismus), Annahmen zum kompetenzorientierten Lernen, den Lernformen (formales, non-formalesund informelles Lernen) und der aktuellen Literatur zurinklusiven Didaktik. Auch die wichtigsten Aspekte der Barrierefreiheit wurden einbezogen.Zunächst werden die direkten Kooperationspartner, dievier Lernorte in Nordrhein-Westfalen, vorgestellt. Danachwird das Thema Inklusion vertieft und auf die gesetzlichenGrundlagen eingegangen. Die Relevanz und Vorteile vonInklusion für Lernort Stadion werden verdeutlicht. Im Anschluss werden konkrete Empfehlungen zum Umgang mitheterogenen Gruppen gegeben.Praktische Übungen, die die Inhalte vertiefend unterstützen, werden am Ende gesammelt zur Verfügung gestellt.Auch Kontaktmöglichkeiten und die verwendete sowie vertiefende Literatur sind dort zu finden.Hier gibt es zusätzliche Informationenrund um das Thema InklusionHier finden Sie praktische Methodenund AnwendungsbeispieleVerwendete Grundlagenliteratur: Dönges,Christoph; Hilpert, Wolfram & Zurstrassen, Bettina (Hrsg.) (2015). Didaktik der inklusiven politischenBildung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. Reich,Kersten (2014). Inklusive Didaktik - Bausteine füreine inklusive Schule. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. Seitz,Simone (2006). Inklusive Didaktik: Die Frage nachdem ‘Kern der Sache’. In: Zeitschrift für Inklusion. Heft1, S. 1-16.6 Einleitung Seitz, Simone (2008). Zum Umgang mit Heterogenität: in-klusive Didaktik. In: Jörg Ramseger & Matthea Wagener(Hrsg.). Chancenungleichheit in der Grundschule – Ursachen und Wege aus der Krise. Hohengehren: SchneiderVerlag. Wagner,Petra (2013). Handbuch Inklusion - Grundlagenvorteilsbewusster Bildung und Erziehung. Freiburg imBreisgau: Verlag Herder GmbH. Wocken,Hans (2012). Das Haus der inklusiven Schule.Baustellen. Baupläne. Bausteine. Hamburg: FeldhausVerlag.

Die Lernorte stellen sich vorLernort Stadion e.V.Das Projekt „Lernort Stadion - Politische Bildung an Lernzentren in Fußballstadien“ wurde 2009 auf Initiative derRobert Bosch Stiftung ins Leben gerufen und wird - seit2010 gemeinsam mit der Bundesliga-Stiftung - in zwölfbundesweiten Lernzentren in Kooperation mit den ortsansässigen Fanprojekten, Bundesliga-Clubs und verschiedenen anderen Partnern umgesetzt. Die Lernzentrenschließen damit eine Lücke in der politischen Bildungsarbeit mit dem Medium Fußball, vergleichbare Projekte existierten bis dahin nicht.Im Herbst 2014 wurde „Lernort Stadion e.V.“ gegründet. Eingroßer Erfolg, denn damit gelang es, aus dem Projekt heraus eine eigene Struktur aufzubauen und langfristig eineunabhängige Fortführung der politischen Bildungsarbeitam Lernort Stadion zu ermöglichen. In den ersten Jahrendurch die beiden Stiftungen gefördert, hat der „LernortStadion e.V.“ unter hauptamtlicher Führung die Koordination des gleichnamigen Projektverbundes übernommen.Ebenfalls seit 2014 ist die Aktion Mensch Förderin undKompetenzpartnerin der Lernorte. Die in den Lernorten tätigen Bildungsreferentinnen und -referenten bringen denJugendlichen die Vorteile einer inklusiven Gesellschaftnahe. Die Chancen, die mit der Teilhabe von Menschenmit Behinderungen am Sport einhergehen, sind unbestritten. In den Lernzentren wird sowohl die Bekanntheit undBeliebtheit des Fußballs als auch die Eigenschaft, gesellschaftliche Probleme verdichtet sichtbar zu machen, genutzt. Die motorische als auch die kognitive Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler werden gefördert,was wiederum im Alltag dem Aktivitätsspektrum, der Autonomie und damit der sozialen Interaktion von Menschenmit oder ohne Behinderung zugutekommt.Fußballfaszination und Bildung verbinden - das ist die„Mission“ von Lernort Stadion.Birger SchmidtProjektleiter und VorstandsvorsitzenderLernort Stadion e.V.Politische Bildung mit FußballbezugIn der Methodensammlung des Konzeptes „Lernort Stadion“ liest man zur politischen Bildung:„Über die Faszination Fußball und den besonderen Lernort Stadion können Jugendliche und jungeErwachsene für gesellschaftspolitische Themen sensibilisiert werden. Politische Bildung bedeutet dabei zunächst die Veranschaulichung von demokratischen Werten anhand der Lebensweltenjunger Menschen unter einem fußballspezifischen Fokus. Durch die wertschätzende Vermittlungsozialer Kompetenzen werden sie darin unterstützt, die eigene Haltung und gesellschaftliche wiepolitische Fragen zu reflektieren, vielfältige Perspektiven einzunehmen sowie Beteiligungsformenund Handlungsoptionen zu entwickeln, um somit Verantwortung für sich und die Gesellschaft zuübernehmen. Dies bedeutet, über den Fußball Wege zu eröffnen und Jugendliche fit zu machen ,an der Gesellschaft aktiv und reflektiert teilzuhaben. Es heißt, sie in ihrer Urteilsfähigkeit undSelbstverantwortung zu stärken, damit sie ihre Welt selbstbestimmt gestalten können“ (RobertBosch Stiftung 2013).Die Lernorte stellen sich vor 7

BVB-LernzentrumWer sind wir?Das BVB-Lernzentrum existiertseit 2004 und ist eine Initiativedes „Fan-Projekts Dortmund e.V.“Es bietet ein außerschulischesJugendbildungsangebot und findet in einer Räumlichkeit unter der Südtribüne desSignal-Iduna-Parks statt.Was machen wir?Die Angebote richten sich überwiegend an junge Menschen aus gesellschaftlichen Kontexten, die von klassischen Formaten politischer Bildung oft nicht erreichtwerden. Die Teilnehmenden werden unabhängig vonihrer Lebenslage wertgeschätzt und eingebunden.Die Angebote sind auf den Fußball bzw. auf BorussiaDortmund als roter Faden ausgerichtet und trainierenmit aktivierenden Methoden Themen der politischenBildung wie Zivilcourage, Interkulturelles Lernen, Antirassismus, Diskriminierung sowie Inklusion.Das BVB-Lernzentrum hat sich in den letzten Jahrenals wesentliche Institution der politischen Jugendbildung in Dortmund etabliert. Es greift die großeSympathie und Identifikation der Region mit demBallspielverein Borussia Dortmund auf und steht mitseiner inhaltlichen Ausrichtung für die gesellschaftliche Verantwortung des Massenphänomens Fußball.Pro Jahr nehmen über 3.000 Jugendliche die Moduledes BVB-Lernzentrums wahr.Besonderheiten unseres Standortes:Kurzzeitmodule von einem halben Tag Durchführungszeit.Warum ist Inklusion in unseren Augen wichtig?Inklusion passt hervorragend in die bestehende inhaltliche Ausrichtung des BVB-Lernzentrums. Inklusionschafft gemeinsame Erlebnisse, sensibilisiert fürandere Perspektiven und schließt niemanden aus!In diesem Sinne kommt jeder einzelne beeinträchtigte Mensch nicht als Bittsteller, dem geholfen werdenmuss, in den Lernort Stadion, sondern als gleichberechtigter Akteur, der vor Ort seine selbstverständlichen Rechte an Partizipation bestenfalls bereits verwirklicht t Dortmund e.V.Dudenstraße 444137 DortmundWebsite: www.bvb-lernzentrum.deE-Mail: [email protected]: 0231-7214292Verfasst von Johannes BöingSchalke macht SchuleWer sind wir?Schalke macht Schule ist seitdem Schuljahr 2011/2012 der besondere Bildungsort in Gelsenkirchen, rund 500 Schüler innen imAlter zwischen 12 und 19 Jahrenbesuchen den Lernort Stadion inder Veltins-Arena auf Schalke jede Saison. Ein Erfolgsprojekt, welches speziell die Jugendlichen ansprechensoll, die von den traditionellen Bildungseinrichtungenselten erreicht werden.Was machen wir?Im Fokus unserer Arbeit steht ein dreitägiges Trainingzum Thema „Respekt und Fair Play“. Mit diesen besonders im Fußball verankerten Begriffen sollen vor allemdie informellen, unausgesprochenen Werte eines idealtypischen Miteinanders thematisiert werden. Spielerisch stellen Übungen im Team Alltagssituationen dar,welche Reflexionsprozesse bei den Teilnehmendenauslösen sollen.Ziel ist es, die Chancen von sozial benachteiligtenJugendlichen durch Bildung zu verbessern. Der Begriff Bildung wird dabei ganzheitlich betrachtet. DerSchwerpunkt liegt auf der politischen Bildung und derStärkung durch soziale und politische Kompetenzen.8 Die Lernorte stellen sich vorDie teilnehmenden Kinder und Jugendlichen sollen dasGelernte in den Alltag transformieren und somit besserPerspektiven für ihre Zukunft entwickeln können.Besonderheiten unseres Standortes:Die Veltins-Arena als Lernort zu erschließen, stellt einebesondere Motivation dar, um an politischen und gesellschaftlich relevanten Themen zu arbeiten.Warum ist Inklusion in unseren Augen wichtig?Ein rücksichtsvolles Miteinander und somit eine Gesellschaft, die aus ihrer Vielfalt ihre Stärke zieht, sindder Schlüssel zum Erfolg. Gerade weil wir alle unterschiedlich sind, brauchen wir Normen und Regeln,welche uns ein gemeinsames und glückliches Zusammenleben ermöglichen. Genau darüber wollen wirsprechen.Kontaktmöglichkeiten/Adresse:Schalker Fanprojekt / Schalke macht SchuleKurt-Schumacher-Str. 10545881 GelsenkirchenWebsite: www.schalke-macht-schule.deE-Mail: [email protected]: 0209-468846Verfasst von Martin Weijers

„soccer meets learning“ – Lernen an außergewöhnlichen Orten imPresseraum des VfL Bochum 1848Wer sind wir?Wir sind der Lernort Stadion inBochum, ein Teil des bundesweiten Netzwerkes Lernort Stadione.V. und wir sind angegliedert andas Fanprojekt Bochum.Was machen wir?Wir machen außerschulische, politische Jugendbildungsarbeit. Unsere Hauptzielgruppe sind Jugendliche aus benachteiligten Bereichen, zwischen 12 und 18Jahren. Wir bieten 3-tägige Workshops zu den ThemenMiteinander & Demokratiefähigkeit, Antidiskriminierung & Gerechtigkeit und Gewaltprävention.Besonderheiten unseres Standortes:Unsere Workshops finden direkt im Stadion, im Presseraum des VfL Bochum 1848 statt. Die Gruppen werden immer von zwei Trainer innen aus den BereichenFörder- und Erlebnispädagogik, Erziehungswissenschaft und Anti-Gewalttraining begleitet. Wir bietenjeder Gruppe die Möglichkeit einer Stadionführung undwerden unterstützt von der Jugendabteilung des VfLBochum, die uns nach Möglichkeit Jugendspieler alsInterviewpartner zur Verfügung stellt.Warum ist Inklusion in unseren Augen wichtig?Inklusion ist in unseren Augen wichtig, weil sie dieMöglichkeit ist, Vielfalt als Chance zu verstehen. DieseChance gilt es zu nutzen, damit daraus etwas Selbstverständliches werden kann. Sie bietet die Grundlageder Teilhabe für alle und damit auch die Grundlage füreine gerechtere ekt BochumFeldsieper Str. 74a44809 BochumWebsite: www.soccer-meets-learning.deE-Mail: [email protected]: 0178-2980046 (Janina Laudien)Verfasst von Janina LaudienStadionschule BielefeldWer sind wir?Stadionschule BielefeldWas machen wir?Berufsorientierung / Politische Bildung / PersönlichkeitsentwicklungDie Stadionschule ist ein Bildungsangebot für Schülerinnen in Bielefeld. Es ist eine einzigartige Möglichkeit,den außergewöhnlichen Lernort Stadion von einer ganzneuen Seite kennen zu lernen.Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltungen veranschaulichen Berufspraktiker innen ihre jeweiligenTätigkeitsfelder und geben Informationen über Ausbildungs- und Praktikumsmöglichkeiten. Dabei berichten sie nicht nur theoretisch aus ihrem Berufsalltag,sondern bieten den Teilnehmenden auch einen praktischen Einblick in konkrete Tätigkeiten. BesonderesAugenmerk wird auf Berufe gelegt, die im Stadionumfeld von Arminia Bielefeld zu finden sind.Zusätzlich werden Workshops zu Themen der politischen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung angeboten. Politische Bildung bedeutet dabei die Veranschaulichung von demokratischen Werten anhandder Lebenswelten junger Menschen unter einem fußballspezifischen Fokus. Durch die wertschätzendeVermittlung sozialer Kompetenzen werden sie darinunterstützt, die eigene Haltung und gesellschaftlichewie politische Fragen zu reflektieren, vielfältige Perspektiven einzunehmen sowie Beteiligungsformen undHandlungsoptionen zu entwickeln, um somit Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu übernehmen.Abgerundet wird das Programm durch eine themenbezogene Stadionführung und ein Interview mit einem(Ex-) Profispieler vom DSC Arminia Bielefeld.Besonderheiten unseres Standortes:Die Stadionschule hat sich in den letzten Jahren einumfangreiches und fachlich kompetentes Netzwerk inder Stadt aufgebaut. Dieses Netzwerk aus Berufspraktiker innen, Bildungspartner innen und Kooperationspartner innen (z.B die REGE der Stadt Bielefeld) sorgtzum einen für eine große inhaltliche Angebotsvielfaltund zum anderen für eine Heterogenität der teilnehmenden Gruppen.Eine weitere Besonderheit ist die außergewöhnlichgute Kooperation zwischen dem DSC Arminia und demFan-Projekt Bielefeld. Die Stadionschule erfährt eine100%ige Unterstützung von allen Vertreterinnen undVertretern des Vereins.Warum ist Inklusion in unseren Augen wichtig?Die Idee von Inklusion, jedem Menschen die Möglichkeit zu bieten, an allen Dingen des gesellschaftlichenLebens partizipieren zu können, ist ein wesentlicherFaktor für eine solidarische und gut funktionierendeGesellschaft.Der Abbau von Vorurteilen und das Ermöglichen vongesellschaftlicher Partizipation in allen Bereichen desalltäglichen Lebens sollte daher eine selbstverständliche Haltung sein, die wir im Rahmen unserer Arbeitpraktizieren und vermitteln wollen.Kontaktmöglichkeiten/Adresse:Fan-Projekt Bielefeld e.V.Ellerstraße 3933615 BielefeldWebsite: www.stadionschule.deE-Mail: [email protected]: 0521-61060Verfasst von Tobias MittagDie Lernorte stellen sich vor 9

Was ist Inklusion?Im folgenden Kapitel werden die Relevanz und Vorteile vonInklusion im Lernort Stadion erläutert. Des Weiteren wirdauf die gesetzlichen Vorgaben zu dem Thema eingegangenund die Förderschwerpunkte, die im deutschen Schulsystem unterschieden werden, werden dargestellt.Prozesses. [.] Inklusion ist kein Expertenthema – im Gegenteil. Sie gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen.Jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen. Und je mehrwir über Inklusion wissen, desto eher schwinden Berührungsängste und Vorbehalte“ (Aktion Mensch e.V.).Die Aktion Mensch definiert Inklusion wie folgt:„Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also dasGegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oderohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule,am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann istdas gelungene Inklusion.In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschiedenzu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wiralle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit dieUmwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch wenigerBarrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und einbesseres Miteinander.Inklusion ist ein Menschenrecht, das in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist. Deutschland hatdiese Vereinbarung unterzeichnet - mit der Umsetzung vonInklusion stehen wir aber noch am Anfang eines langenDie bereits erwähnte UN-Behindertenrechtskonventionwird von der Aktion Mensch wie folgt beschrieben:„Die UN-Behinderungskonvention (UN-BRK), die Deutschland im Jahr 2009 ratifizierte, hat die rechtlichen Rahmenbedingungen für Inklusion geschaffen. Politik, Kommunen,Schulen und Wirtschaft sind nun aufgefordert, Inklusion inallen Bereichen zu verwirklichen. [.] Eine offene und vielfältige Gesellschaft ist ein Gewinn für alle Menschen. Inklusionbedeutet, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungenjedem Menschen ermöglichen, gleichberechtigt und selbstbestimmt am sozialen, politischen und kulturellen Lebenteilzuhaben. Im Hinblick auf Schule und Bildung meint Inklusion vor allem das gemeinsame Lernen und das Zusammenleben von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen“ (Aktion Mensch e.V. 2014, S. 3).UN-BehindertenrechtkonventionKinder- und JugendhilfegesetzArtikel 7Kinder mit BehinderungenArtikel 8BewusstseinsbildungArtikel 9ZugänglichkeitArtikel 24BildungArtikel 30Teilhabe am kulturellen LebenParagraph 2, 3und 10gewährleistetKindern mit Behinderungen diegleichen Menschenrechte undGrundfreiheiten,wie Kindern ohneBehinderung.besagt, dass dasBewusstsein fürMenschen mitBehinderung unddie Achtung ihrerRechte gefördertund schädlichePraktiken unterbunden werdenmüssen.sichert die uneingeschränkteTeilhabe undZugang zu allenLebensbereichenohne Barrieren.ermöglichtein inklusivesBildungssystemund lebenslangesLernen auf allenBildungsebenen.bietet Menschenmit Behinderungen die uneingeschränkte Teilnahme an Sport-,Erholungs- undFreizeitmöglichkeiten. Ein barrierefreier Zugangam kulturellenLeben in derGesellschaft wirdermöglicht.schafft ein geeignetes Angebotfür junge Menschen, welchesein solidarischesMiteinander undToleranz, mithilfeder politischenund sozialen Bildung fördert.In Anlehnung an den Index für Inklusion im und durch Sportund die UN-Behindertenrechtskonvention hat die Projektgruppe eine eigene Definition von Inklusion verfasst, diespeziell auf den Kontext Lernort Stadion angepasst ist undsomit ein einheitliches Verständnis und eine Grundlage fürdiese Handlungsempfehlung gewährleisten zu können:Inklusion bedeutet Teilhabe und Chancengleichheit für alleMenschen in der Gesellschaft, ohne dass Barrieren, baulicher oder gedanklicher Art, ihre Partizipation einschränken. Kernaspekt ist dabei Heterogenität in allen Dimensionen als Normalität anzuerkennen und Individualitätwertzuschätzen. Es handelt sich um einen Prozess, dernoch nicht vollständig umgesetzt, aber gesetzlich verankert ist.10 Was ist Inklusion?Im Lernort Stadion werden bereits Themen, wie kulturelleUnterschiede, Antidiskriminierung und Rassismus, sowieweitere Heterogenitätsaspekte, wie Homophobie explizitbehandelt. Damit die Teilhabechancen aller gewährleistetwerden, soll das Angebotsrepertoire für Menschen mitBeeinträchtigungen zugänglich gemacht werden, sowie zuder Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt werden.Somit beschreibt Inklusion in diesem Zusammenhang, dasBewusstsein für und den Umgang mit Menschen mit einerBeeinträchtigung zu schulen und sie gleichberechtigt amAngebot des Lernorts Stadion teilhaben zu lassen.

In der Literatur wird oftmals der Begriff Inklusion mithilfe eines Stufenmodells dargestellt. DieseStufen - Exklusion, Separation, Integration und Inklusion - beziehen sich auf die Realisierung derWerte und Rechte von Menschen mit Behinderung. Der Begriff Exklusion beschreibt dabei dasRecht auf Leben, jedoch werden Menschen mit Behinderung aus dem Bildungs- und Erziehungssystem ausgeschlossen. Dieses Recht auf Bildung wird mit dem Begriff Separation beschrieben.Allerdings findet diese Bildung in separaten Schulen und Einrichtungen statt. Das Recht auf Gemeinsamkeit und Teilhabe implementiert die Integration. Jedoch werden hierbei Menschen mitBehinderung als Gruppe von Menschen ohne Behinderungen unterschieden und klassifiziert.Dieses Gruppendenken soll mithilfe der Inklusion und dem Recht auf Selbstbestimmung undGleichheit abgelöst werden. So kann der Einschluss aller Menschen sowie die Anerkennung derHeterogenität gewährleistet werden.Um diese Unterschiede zu verdeutlichen, ist die Übung „Socken-Inklusionsspiel“ (S. 32)hilfreich.andere Lernkompetenzen fördernund entwickelnTeilhabechancen undZugänge ermöglichenPopularität desFußballs nutzenRelevanz undVorteile von Inklusion imLernort Stadiongesetzliche Vorgabedurch UN-BRKinklusives außerschulischesBildungssystemZielgruppe wirderweitertThema Inklusionaufarbeiten undvermittelnVon 1994 bis 2014 ist der Anteilder Schüler innen, die sonderpädagogischeUnterstützungbenötigen, von 3,3% auf 5,2%der gesamten Anzahl der Schüler innen in NRW gestiegen.Gleichzeitig ist der Anteil dieserSchüler innen an Regel- stattFörderschulen um mehr als dasZehnfache angestiegen (Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen 2015). Die Aktion Mensch hält fest, dass „nur25 % der Kinder mit Förderbedarf [.] in Deutschland an einerRegelschule [lernen]“ (AktionMensch e.V. 2014, S. 26).In einer Statistik des Ministeriums für Schule und Weiterbildung wird deutlich, dass die schulische Inklusion in Nordrhein-Westfalen bereits fortgeschritten ist. Aufgrund derVeränderung bezüglich der Heterogenität in Schulklassenist es besonders wichtig, das Thema Inklusion auch voranschreitend auf weitere Bildungsebenen auszuweiten

Bielefeld, Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen, die der Projektgruppe ihrerseits die Möglichkeit gaben, zu hospi-tieren, um sich einen Überblick über bisherige Angebote, . (Hrsg.). Chancenungleichheit in der Grundschule –